"Man muss sich auch mal einen Fehler verzeihen können – auch große Fehler", sagt der Pfleger Robert Kunz. © Andreas Prost für ZEIT ONLINE

"Was mich an Krankenhausserien nervt, ist, wie die Position des Arztes dargestellt wird", sagt der Krankenpfleger Robert Kunz im ZEIT-ONLINE-Podcast Frisch an die Arbeit. Der 30-Jährige arbeitet in einer kleinen Tagesklinik in Berlin. Er sagt, im Fernsehen werde suggeriert, dass ein Arzt für alles allein zuständig sei. In der Realität sei das anders. Die Rolle von Pflegerinnen und Pflegern werde durch das Bild im Fernsehen oft unterbewertet und unterschätzt. Kunz sagt: "Der Kontakt der Patienten ist zu 90 Prozent mit den Pflegekräften und nicht mit den Ärzten."

"Die Wertschätzung der Patienten ist wirklich ein wunderbares Gefühl."
Robert Kunz, Krankenpfleger aus Berlin

Kunz sieht sich als Vermittler zwischem dem starren System Krankenhaus und den Patienten. "Das komplexeste an meinem Beruf ist das Sprechen mit den Patienten und Patientinnen – wie gehe ich mit Unsicherheiten und Aufregung um? Wie vermittle ich all die Informationen, ohne die Betreffenden zu überfrachten? Das muss man erst einmal einschätzen können." Und Kunz sagt auch: Manche Fragen bei der Patientenaufnahme doppeln sich zwar. Aber mit Absicht – weil man sich absichern wolle, dass es zu keinen Missverständnissen komme.

Zunächst hatte Kunz ganz andere Karrierepläne: Als Kind wollte er Polizist oder Fluglotse werden. Wünsche, die er wegen einer Schwerhörigkeit früh aufgeben musste. Nach der Schule kam er über einen Aushilfsjob schließlich ins Krankenhaus und entdeckte für sich, wie erfüllend die Dankbarkeit von Kranken für ihn ist. "Die Wertschätzung der Patienten ist wirklich ein wunderbares Gefühl", sagt Kunz, der daraufhin eine Ausbildung als Pfleger absolvierte.

Im Podcast sagt Kunz aber auch: "Die Menschen verbinden mit einem sehr viele Hoffnungen. Aber natürlich passieren auch uns Pflegerinnen und Pflegern Fehler." Zu hohe Erwartungen hätten nicht nur Patienten, sondern auch er und seine Kollegen. Bei Fehlern gingen sie oft sehr hart mit sich ins Gericht. "Man muss sich auch mal einen Fehler verzeihen können – auch große Fehler", sagt Kunz.