Im Büro kann man sich vor Small Talk noch drücken. Schnell aufs Klo verschwinden, wenn eine Kollegin in die Kaffeeküche kommt. Beim Arbeiten große Kopfhörer aufsetzen. Sehr gestresst tun und sich aus jeder Unterhaltung mit "Ich muss jetzt leider weitermachen" herausziehen. Auf der Weihnachtsfeier geht das schlecht. Aber Gespräche mit Fremden und Kolleginnen, die man sonst nur aus Meetings kennt, müssen nicht anstrengend sein. Menschen, die beruflich Small Talk führen müssen, geben Ratschläge, wie es geht.

Wie fange ich ein Gespräch mit jemandem an, den ich nicht kenne?

Olivia Nikel, Journalistin und Ehefrau des deutschen Botschafters in Warschau

Da ich meinen Mann häufig bei Terminen und Empfängen begleite, spreche ich fast täglich mit völlig Fremden. Beim Small Talk ist es wichtiger, dass der Gesprächspartner oder die Gesprächspartnerin sich wohlfühlt, als selbst zu glänzen. Vor allem beim Gesprächseinstieg geht es weniger darum, originell zu sein, als gemeinsame Anknüpfungspunkte zu finden. Ich überlege mir oft: Was verbindet uns? Was haben wir zusammen erlebt? Auch wenn es banal scheint, kann man am Anfang über das Essen bei der Weihnachtsfeier sprechen oder die Endjahresrede der Chefin. Oder sich einfach vorstellen und erzählen, in welcher Abteilung man arbeitet. Das ist besser, als das Gegenüber gleich am Anfang zu überfordern oder eventuell sogar mit einem Witz vor den Kopf zu stoßen. Später, nachdem man sich langsam herangetastet hat, kann das Gespräch auch mehr Meinung und Humor vertragen.


Wie privat dürfen die Gespräche auf der Weihnachtsfeier werden?

Tijen Onaran, Geschäftsführerin des Netzwerks Global Digital Women, Autorin des Buches "Die Netzwerkbibel" 

Es gibt zwar den Spruch: Was auf der Weihnachtsfeier passiert, bleibt auf der Weihnachtsfeier. Nur stimmt dieser Satz leider nie. Ich rate daher: Verhalten Sie sich so, wie sie noch am nächsten Tag wahrgenommen werden wollen. Und erzählen Sie nur das, was Sie am nächsten Morgen nicht bereuen. Die Weihnachtsfeier kann zwar eine gute Gelegenheit sein, eine persönliche Ebene zum Team und dem Vorgesetzten aufzubauen. Aber man darf persönlich nicht mit privat verwechseln. Persönlich ist: Ich habe zwei Hunde. Privat: Ich habe Eheprobleme. Auch wenn die Stimmung nach vier Gläsern Wein locker scheint – die Geschichten über Ihr Liebesleben sind am nächsten Morgen nicht vergessen.


Wie überbrücke ich peinliche Gesprächspausen?

Philipp Basedow, Friseur

Ich schneide oder färbe bis zu zwölf Menschen am Tag die Haare. In meinen 13 Jahren als Friseur habe ich gelernt, die Stille auszuhalten. Sobald Kundinnen oder Kunden den Salon betreten, suche ich nach Hinweisen, ob sie quatschen oder lieber ihre Ruhe haben möchten. Junge Eltern wollen zum Beispiel oft nichts sagen, manchmal nicken sie sogar im Stuhl ein. Da breche ich die Stille auch nicht und spare mir solche Floskeln wie: "Das wird aber früh dunkel draußen." Wenn jemand aber schon beim Begrüßen nicht aufhört zu reden, frage ich meistens nach, was er oder sie erlebt hat. Zum Beispiel, je nach Jahreszeit, ob sie gut durch den Winter gekommen sind oder wo sie ihren Sommerurlaub verbracht haben. Wenn sie enthusiastisch erzählen, frage ich weiter nach. Wenn nur wenig zurückkommt, dann lächele ich und bin still. Ich denke, für den Small Talk auf der Weihnachtsfeier gilt dasselbe Prinzip: Die Gesprächspartnerin aufmerksam beobachten, um zu sehen, ob sie reden will oder lieber still essen. Nicht jede Gesprächspause füllen. Und natürlich immer freundlich lächeln.


Welche Themen sollte man eher vermeiden?

Meike Slaby-Sandte, Trainerin für Etikette

Ich gebe seit 15 Jahren Knigge-Kurse für Menschen, die lernen möchten, wie man sich bei Geschäftsessen und auf dem gesellschaftlichen Parkett benimmt. Worüber man bei einem Essen oder einer Feier spricht, hängt natürlich auch davon ab, wie vertraut man sich ist. Generell gilt aber: Mit Menschen, die ich nur aus dem Arbeitskontext kenne, rede ich nicht über Religion, das ist zu privat, und auch nicht über Finanzen. Die Frage nach Gehältern oder Abfindungen führt oft zu Schadenfreude oder Neid. Ich empfehle auch, nicht über Krankheiten zu sprechen, egal ob es die eigenen oder die der anderen sind. Das macht schlechte Stimmung. Bei Politik und Sport kann es schnell Streit geben, deswegen würde ich diese Themen eher mit Vorsicht ansprechen. Es ist okay, zu erzählen, welchen Fußballverein man mag, aber man sollte nicht sagen: Alle außer die Bayern sind Mist. Reisen und Musik sind dagegen Themen, mit denen fast jeder etwas anfangen kann, ohne dass es kracht. Und auf keinen Fall lästern, schon gar nicht in öffentlichen Bereichen. Die Toilette gehört definitiv dazu. Sollte Sie jemand in ein Gespräch über Dritte verwickeln, kann man sich mit diesem Satz herausziehen: "Ich habe keine Informationen dazu aus erster Hand, daher kann ich nichts dazu beitragen."