Ich war nur fünf Minuten im Büro, saß vorne auf der Couch und wartete darauf, dass mich eine freundliche Stimme zum Vorstellungsgespräch rufen würde. Zuvor hatte ich mich intensiv vorbereitet, alles über das Unternehmen gelesen, mich schick gekleidet. Ich wollte diesen Job unbedingt. 

Dann kam ein kleiner Mops, setzte sich vor mich und streckte seine Zunge raus, als würde er mich ärgern wollen. Ich traute meinen Augen nicht und dachte: Bitte kein Bürohund! Lass ihn zu Besuch da sein, vielleicht hat er sich auch nur verirrt? Gleich kommt bestimmt jemand, zieht an seiner Leine und weg ist er – raus aus der Firma, in der ich schon immer habe arbeiten wollen. Eine Mitarbeiterin kam und holte mich ab. Der Hund blieb.

Ich habe nichts gegen Hunde, bin nicht ängstlich, wenn ich sie sehe. Ich finde Möpse wie diesen sogar ziemlich süß. Doch ich bin allergisch gegen ihre Haare. Wenn sie um mich herumlaufen, sich auf dem Teppich wälzen oder sich neben mich auf die Couch setzen, dauert es nicht lange und ich bekomme Schnupfen, meine Nase läuft, die Augen brennen, ich bekomme nur noch schwer Luft. Meine Augen schwellen dann an, im schlimmsten Fall droht ein Asthmaanfall.

Das ist seit mehr als zehn Jahren so. Ich habe mich mittlerweile daran gewöhnt. Wenn ich Hunden auf der Straße begegne, machen sie mir auch nichts aus. Der Kontakt ist ja nur kurz. Nicht gerechnet habe ich aber damit, wie oft sie in Büros vorkommen.

Hunde können angeblich die Zufriedenheit am Arbeitsplatz erhöhen, Burn-out vorbeugen, das Betriebsklima verbessern. Vor allem in Start-ups und Sozialunternehmen gehören sie heute wie die Tischtennisplatte oder der mit Mate gefüllte Kühlschrank dazu, scheint mir. Oder es gibt zumindest eine friendly policy, was Hunde betrifft. Dann dürfen Mitarbeiter ohne großes Ankündigen ihren Hund jederzeit mit zur Arbeit bringen. 

Für die Neue will niemand den Bürohund abschaffen

Es gibt sogar einen Bundesverband Bürohund. "Für mehr Hunde im Büro zum Wohle von Menschen, Unternehmen und Hunden" ist sein Slogan. Der Verband kürt regelmäßig den Bürohund des Monats, listet hundefreundliche Arbeitsplätze auf, hat sogar eine Deutschlandkarte veröffentlicht. Darauf: alle Unternehmen, die Tiere im Büro akzeptieren. Wenn ich die Karte oder #Bürohundland sehe, mache ich mir Sorgen. Das ganze Land scheint übersät mit Firmen, die Bürohunde akzeptieren. Vor allem Start-Ups in meiner Branche geben den Bürohund oft als Benefit, als Pluspunkt in Stellenanzeigen an.

Ich bin noch am Anfang meiner Karriere. Mein duales Studium mit erster Berufserfahrung habe ich abgeschlossen, nun suche ich seit drei Monaten einen Job im Bereich Marketing. Ich will loslegen mit der Arbeit, ich freue mich darauf. Doch nachdem ich gemerkt habe, dass etliche Arbeitgeber Bürohunde haben, bin ich ernüchtert. Ich fürchte mich vor der Vorstellung, dass irgendwann nur noch ein paar Stellen für mich übrig bleiben, die unglaublich öde sind oder die ich nicht mit meinem Gewissen vereinbaren kann.

Klar, in den meisten Unternehmen wird demokratisch darüber abgestimmt, ob Tiere im Arbeitsalltag in Ordnung sind. Ob sie sogar extra angeschafft werden sollen. Oft wird dabei auch Rücksicht auf diejenigen genommen, die Allergien haben. Doch für die neue Mitarbeiterin will natürlich niemand die Vierbeiner abschaffen.