Der Start als Landwirt war für Erz und seine Frau, die er im Studium kennenlernte, nicht einfach. Wegen der anhaltenden Dürre in den vergangenen Jahren hatten sie Ernteausfälle. Regnet es in der Region in einer normalen Vegetationsperiode 400 Liter, waren es in den letzten beiden Jahren nur jeweils 150 Liter. "Das hier ist eine der trockensten Gegenden Deutschlands", sagt Erz. Im Umland seines Betriebs gab es Waldbrände, er selbst hatte mit ausgetrockneten Böden zu kämpfen. "Da habe ich mich von der Politik alleingelassen gefühlt", sagt Erz.

Als Kleinbauer profitiert Erz kaum von den Agrarsubventionen der EU. Je größer ein Betrieb, je mehr Hektar Anbaufläche, desto höher die Förderung. Oder, in den Worten von Erz: "Wer viel hat, dem wird viel gegeben." Aktuell gehen 80 Prozent der Subventionen an 20 Prozent der Betriebe. Und: Die Gelder sind weitgehend unabhängig davon, wie Betriebe das Land bewirtschaften. Egal ob sie nachhaltig anbauen oder für kurzfristige Gewinne der Umwelt schaden. Erz, der mit gerade einmal 3,5 Hektar seinen Betrieb gründete, erhielt im Jahr 2018 knapp 2.500 Euro Agrarsubventionen. Ein Großbetrieb im Nachbarort wird jährlich mit mehr als einer Million gefördert, eben weil dieser ein Vielfaches der Fläche bewirtschaftet. Ohne bio, dafür mit Pestiziden und Massenställen. 

Was junge Landwirte fordern

Gemeinsam werden Umweltverbände, die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) und die Grünen an diesem Samstag deshalb demonstrieren. Sie werden ein deutsches Veto zum Freihandelsabkommen Mercosur mit Südamerika fordern – denn sie fürchten durch den Wegfall der Zölle Billigimporte, zum Beispiel von Rindfleisch und Zucker. Und sie werden sich für eine Umverteilung der Gelder im anstehenden Förderhaushalt der EU einsetzen. Auch die SPD fordert eine stärkere Kopplung der Gelder an Auflagen zum Umwelt- und Tierschutz. Erz hofft, dass Betriebe wie seiner davon profitieren würden. Und er hofft, dass die Beschlüsse dazu führen, dass künftig mehr junge Landwirte zu Gründern werden können.

Erz zahlt aktuell einen Kredit von 300.000 Euro für den Hof und die Geräte ab. Von der Bundesregierung erhält er eine Junge-Landwirte-Prämie von jährlich 170 Euro. Auch diese ist an die Größe der bewirtschafteten Flächen gekoppelt. Weil sich Erz vor dem Start seines Betriebs arbeitslos meldete, gab es nochmal ein verlängertes Arbeitslosengeld für Gründer. 

Da Erz direkt nach der Gründung zu wenig Einnahmen hatte, arbeitete er in den ersten drei Jahren zusätzlich im Außendienst eines anderen Unternehmens, verkaufte Saatgut an andere Bauern. Seine Frau bewirtschaftete in der Zeit den Hof. Heute haben die beiden das geändert: Erz kümmert sich mittlerweile um den Hof, seine Frau macht Teilzeit in einem Großbetrieb. Ein Zuverdienst. "Irgendwie müssen wir ja auch Investitionen finanzieren", sagt Erz. Die Anfangsjahre beschreibt er als permanentes Sich-Sorgen-machen. Er spricht von Angst, wenig Schlaf, Durchhalteparolen. Heute engagiert er sich im Bündnis Junge Landwirtschaft, das unter anderem vergünstigte Flächen und eine Niederlassungsprämie für Gründer in der Landwirtschaft fordert.

Erz profitiert vom Öko-Trend

Für ihn habe sich der Schritt zum Landwirt gelohnt, sagt Erz. Heute sei er angekommen. Ein Großteil seiner Kundinnen und Kunden sind Familien, die aus Berlin ins Umland gezogen sind. Sie wollen ruhiger leben oder können sich die Großstadt nicht mehr leisten. Gleichzeitig legen sie Wert auf Öko und Klimaschutz. Außerdem beliefert Erz den Großhandel und Berliner Schulkantinen mit seinen Kürbissen. Er rechnet damit, in diesem Jahr erstmals Gewinn zu machen. Demnächst will er sein Lager ausbauen, um mehr Kürbisse halten zu können. Vor dem Hof liegt ein großer Haufen Steine – hier soll ein neuer Parkplatz für Kunden entstehen. Außerdem will Erz 2020 seine Flächen noch effizienter bewirtschaften, eine Hecke gegen den kalten Ostwind pflanzen und auch den Hofladen verschönern.

Seine Kartoffeln, Eier, Kürbisse und einen Rote-Bete-Saft bietet Erz in einem kleinen Raum vor der Eingangstür seines Wohnhauses an. Auf Holztischen steht eine Auswahl an Produkten, dazu eine Tafel, beschrieben mit Preisen und den Worten: "Die Eier sind kürzlich pro Stück fünf Cent teurer geworden, weil die Futterkosten gestiegen sind." Der Hofladen ist 24 Stunden geöffnet, an sieben Tagen die Woche. Eine junge Frau betritt den Laden, möchte Kartoffeln kaufen. Ob man denn hier immer einkaufen könne, will die Kundin wissen. "Ja, auch am Wochenende, werfen Sie das Geld einfach in die Vertrauenskasse", sagt Erz und deutet auf eine Dose mit einem kleinen Schlitz. Seine Tür sei immer offen. Auch wenn er auf dem Traktor in Berlin demonstriert.