Die nach der Rana-Plaza-Katastrophe von 2013 gegründete Arbeitsschutzorganisation Accord verlässt Bangladesch. Die in Europa beheimatete Organisation muss sich bis zum 13. Februar aus dem Land zurückziehen. Ihre Arbeit übergibt sie dann an eine neue, einheimische Organisation, die die Inspektionen in den Textilfirmen fortsetzen will – allerdings in einem "nationalen Rahmen".

Die europäische Beobachtergruppe war gegründet worden, nachdem das illegal aufgestockte Fabrikgebäude Rana Plaza nördlich von Dhaka zusammengebrochen war. Dort arbeiteten gleich fünf Textilfirmen für ausländische Vertragspartner. Das Unglück kostete 1.134 Menschen das Leben und sorgte für einen internationalen Aufschrei. Tatsächlich war die Rana-Plaza-Katastrophe lediglich die aufsehenerregendste in einer ganzen Reihe ähnlicher Vorfälle.

Vier Millionen Näher und Näherinnen in 4.500 Firmen

So wie in vielen asiatischen Ländern lassen viele weltweit bekannte Marken ihre Produkte auch in Bangladesch günstig nähen – oft ohne bei den Sicherheitsstandards für die Arbeiterinnen und Arbeiter näher hinzusehen. Bangladesch ist nach China der zweitgrößte Textilhersteller der Welt und exportiert jährlich Kleidung im Wert von mehr als 31 Milliarden Euro, größtenteils nach Europa und in die USA. In etwa 4.500 Nähereien arbeiten circa vier Millionen Angestellte, die meisten von ihnen Frauen aus ländlichen Gebieten.      

Um weitere Katastrophen zu vermeiden, unterzeichneten Gewerkschaften und Modemarken – darunter Adidas, Carrefour, H&M, Seidensticker und Esprit – das sogenannte Accord-Abkommen für Gebäude-, Arbeits- und Gesundheitsschutz in Fabriken in Bangladesch. Inspektoren aus Europa überprüften seitdem 1.650 Unternehmen, eine weitere Beobachtergruppe nordamerikanischer Modemarken namens Alliance überprüfte 1.000 Firmen.

Accord will in Bangladesch präsent bleiben

Die Accord-Inspektionen und -Vorgaben missfielen der bangladeschischen Vereinigung einheimischer Bekleidungshersteller und Exporteure (BGMEA). Mit Unterstützung der Regierung setzte sie sich dafür ein, dass die Mandate für Accord und Alliance wie vereinbart 2018 auslaufen. Während die US-Organisation das Land bereits Ende 2018 verließ, zog Accord vor Gericht und erreichte eine Verlängerung bis zum 13. Februar 2020. Im Mai soll dann eine Organisation aus Bangladesch für die Einhaltung der vereinbarten Standards sorgen.

Befürchtungen, dass diese dann wieder missachtet werden, trat die Accord-Stiftung in Amsterdam entgegen. Man werde auch in Zukunft eng mit den dortigen Stellen zusammenarbeiten, versichert deren Sprecher Joris Oldenziel und betont: "Es ist eine nachhaltige Lösung gefunden worden, um die Arbeitsplatzsicherheit in bangladeschischen Bekleidungsfabriken zu erhalten." Die Vereinbarung enthalte alle nötigen Garantien, dass die Arbeit von Accord fortgesetzt werde.