Drehbuchautor Oliver Kienle sagt: "Von der ersten Folge der ersten Bad-Banks-Staffel habe ich fünfzehn Fassungen geschrieben." © Natalie Schaaf

"Keiner wusste, dass Bad Banks ein Erfolg wird", sagt der Drehbuchautor und Regisseur Oliver Kienle, der die preisgekrönte Serie um die junge Bankerin Jana Liekam, gespielt von Paula Beer, geschrieben hat. "Viele, mich eingeschlossen, dachten sogar, dass die Quote der Serie eher schlecht wird." Die wichtigste Folge beim Drehbuchschreiben, erzählt der 38-Jährige im ZEIT-ONLINE-Podcast Frisch an die Arbeit, sei immer die allererste Folge – weil diese die Produktionsfirmen, die beteiligten Sender und auch die Schauspieler und Schauspielerinnen überzeugen müsse. Entsprechend viel Zeit sei in die erste Folge von Bad Banks geflossen: "Von der ersten Folge der ersten Staffel habe ich fünfzehn Fassungen geschrieben", sagt Kienle. Nun erscheint die zweite Staffel der Serie, in der es nicht mehr nur um die Frankfurter Finanzwelt geht – sondern um ein fiktives Fintech in Berlin, in das die Deutsche Global Invest, eine an die Deutsche Bank angelehnte Großbank, investiert.

Zum Drehbuchschreiben und Filmemachen kam Kienle, erzählt er im Podcast, schon als Kind: "Ich habe damit angefangen, Comics zu machen – ich hatte einen ganz Ordner voll mit selbst erfundenen Figuren." Eine Übung für die spätere Figurenentwicklung. Und schon als Teenager habe er dann wie manisch, wie er sagt, begonnen, Geschichten zu schreiben: "Bis ich neunzehn war, hatte ich neun Romane geschrieben, die bestimmt alle scheiße waren." Als die ersten Digitalkameras auf den Markt kamen und Filmschnitt mit simplen Programmen am heimischen Computer möglich wurde, begann Kienle mit Anfang 20 auf eigene Faust und ohne jegliche finanzielle Unterstützung Filme zu schreiben und zu drehen. "Ich habe noch vor der Filmhochschule zwölf Kurzfilme und zwei Langfilme gedreht – alles No-Budget, alles mit Kumpels aus meiner Heimat", erzählt er.

"Jetzt ist das wieder so ein deutscher Scheiß."
Oliver Kienle, 38, Drehbuchautor und Regisseur

Bei seiner Arbeit muss Kienle heute auch immer viel Kritik einstecken. "Ich fordere sehr viel Feedback ein, auch wenn es nervt und einen anstrengt", sagt er. Viel schlimmer sei für ihn als Drehbuchschreiber der in Deutschland weit verbreitete Irrglaube, ein Drehbuch sei dann gut, wenn es auf den allerersten, oberflächlichen Blick zu verstehen sei. Diese Kämpfe seien oft auch anstrengend. "Aber wenn man immer, wenn jemand etwas nicht versteht, nachgibt, denke ich beim Sehen später: Jetzt ist das wieder so ein deutscher Scheiß, wo ich nach einer Minute merke, dass einem alles erklärt wird."

Sich einschränken lassen will Kienle sich bei seiner Arbeit am liebsten von niemandem. "Unter Karrieregesichtspunkten habe ich auch heikle Entscheidungen getroffen", erzählt er. So habe er etwa nach seinem Debütfilm einen Tatort abgesagt. Aber auf die Kompromisse, die das mit sich gebracht hätte, habe er keine Lust gehabt. "Ich will meine Geschichten erzählen, ich muss keine Karriere machen", sagt Kienle. So ist für ihn die Aussicht auf Rente oder ein Sabbatical eher bedrohlich als verlockend, erzählt er im Arbeitspodcast. Er sei vielleicht etwas krass, sagt Kienle, dessen erster Netflix-Langfilm Isi & Ossi ebenfalls im Februar veröffentlicht wird. Aber er meine es ganz ernst: "Ich möchte mit einem Herzinfarkt am Set sterben."

Die sechs neuen Folgen von "Bad Banks" sind in der arte- und ZDF-Mediathek abrufbar. Im linearen Programm läuft die Serie auf arte am 6. und 7. Februar in Dreierfolgen jeweils um 20.15 Uhr, im ZDF am 8.,9. und 10. Februar in Doppelfolgen jeweils um 21.45 Uhr.