Wegen der Coronavirus-Pandemie schließen bis auf Weiteres Geschäfte, Musikschulen, Sportstätten, Theater, Kneipen und Clubs. Besonders hart trifft es viele Kleinunternehmer und Selbstständige: Ihre Einnahmen fallen jetzt weg. Hier erzählen sieben von ihnen, wie es ist, plötzlich nicht mehr arbeiten zu dürfen.

Matthias Weimer, 32 Jahre, Künstlermanager aus Offenbach

Ich arbeite seit 2015 selbstständig als Booking- und Künstlermanager. Mit unserer Agentur Plantage 13 vertreten wir vor allem Künstlerinnen und Künstler im elektronischen Musikbereich. Die meisten Bookings planen wir drei bis sechs Monate im Voraus. Das bedeutet: Die Reisen sind alle gebucht, Werbung ist geschaltet, die Tickets sind verkauft – und jetzt schließen die Clubs. Alle Shows, die wir anstehen hatten, sind bis Ende März gecancelt. Eine Vielzahl der Clubs wird auch im April geschlossen bleiben, keiner weiß, was im Mai sein wird. Kein Veranstalter hat eine Versicherung, die in so einer Situation greift.

Ich werde in nächster Zeit keinen Umsatz machen, nach aktuellem Stand sind das 15 bis 20 Prozent Jahreseinbußen. Für mich bedeutet das: In einem Monat muss ich an mein Erspartes, um Miete zu zahlen und laufende Kosten zu decken. Was mir Sorge bereitet: Ende Mai beginnt die Festivalsaison. Das ist die umsatzstärkste Zeit des Jahres, für Künstler, Agenturen und Veranstalter. Selbst wenn die Festivals stattfinden können: Anfang April fängt der Ticketverkauf an und da werden wir starke Einbußen sehen. Das bedeutet, dass wir auch weiterhin mit geringeren Einnahmen rechnen müssen. Sollte sich die Situation bis in den Sommer ziehen, wird ein Großteil der Clubs, Festivals und Künstlerinnen und Künstler in Europa massive finanzielle Probleme haben.

Deswegen ist mein Appell an die Politik ganz klar: Rettungspakete sollen auch kleinen Unternehmen sowie Künstlerinnen und Künstlern helfen. Gerade Künstler, die am Anfang ihrer Karriere stehen, trifft es besonders hart. Die meisten gehen jetzt ins Studio und nutzen die Zeit, um Musik zu machen. Mir bleibt nichts anderes übrig als zu hoffen, dass sich die Situation so schnell wie möglich verbessert.


Vika*, 31, selbstständige Sexarbeiterin und Performerin aus Berlin

Meine Auftritte als Performerin bewegen sich an der Schnittstelle zwischen Kunst und Erotik. Viele Organisatoren streichen gerade ihre Events. Deswegen habe ich bis mindestens Ende April keine Buchungen. Auch als Sexarbeiterin ist es gerade nicht einfach: Das Bordell, in dem ich arbeite, schließt Anfang dieser Woche. Auch meine Kunden, die ich außerhalb des Bordells treffe, sagen gerade ihre Termine ab. Manche haben Angst. Manche wollen sich verantwortungsbewusst verhalten. Einer meiner Stammkunden ist zum Beispiel Arzt. Er sagte, dass er mich in den nächsten Wochen nicht sehen kann. Seine Begründung: Es habe eine offizielle Empfehlung für Mitarbeiter des Gesundheitswesens gegeben, so wenig soziale Kontakte wie möglich zu haben. Ich kann ihn gut verstehen und finde es auch notwendig, dass Events abgesagt werden: Nur so kann die Ausbreitung des Virus verlangsamt werden. 

Auf der anderen Seite weiß ich gerade nicht, wie ich finanziell über die Runden komme. Freunde werden mir aushelfen. Aber ich weiß nicht, wie lange ihre Unterstützung reicht. Am meisten macht mir gerade Angst, dass ich keine Ahnung habe, wie es weiter geht. Viele Kunden und Veranstalter warten ab, was passiert. Und ich mache mir Sorgen um meine Kolleginnen. Viele Sexarbeiterinnen, die ich kenne, sind alleinerziehende Mütter. Sie haben diesen Job wegen der flexiblen Arbeitszeiten gewählt und weil er oft besser bezahlt wird als ihr gelernter Beruf. Sie trifft die Unsicherheit jetzt noch härter.