Dass die Sportkurse abgesagt wurden, betrifft auch die Heilpraktikerin und Yogalehrerin Saskia Thienel aus Fürth. © privat

Hanna, 32, und David Schuster, 29, Inhaber eines Designbüros in Bonn

Seit letzter Woche gehen wir nicht mehr in unser Büro. Es ist einfach zu deprimierend, dort zu sitzen und die ganze Zeit Absagen zu bekommen. Bis jetzt sind fünf Aufträge weggebrochen, vier sind in der Schwebe. Unsere Kunden arbeiten im Kulturbereich, der Gastronomie und im Tourismus – also überall, wo sich viele Menschen versammeln. Wir gestalten ihre visuelle Kommunikation, entwickeln Online- und Markenauftritte, drehen Filme und mehr. Und dafür ist jetzt kein Geld mehr da. 

Was uns wirklich runterzieht, ist: Der Januar lief langsam an, aber wir wussten, die großen Projekte kommen noch. In einige hatten wir schon viel Arbeit gesteckt, uns mehrfach mit den Kunden getroffen. Durch die Absagen entgehen uns rund 14.000 Euro Umsatz. Auf unbestimmte Zeit verschoben sind Projekte im Wert von mehr als 60.000 Euro. Das sind zwei Drittel unseres Jahresumsatzes. Weil die Kunden selbst betroffen sind und erst mal gucken müssen, wie es bei ihnen weitergeht. Wir bewegen uns gerade in einem großen Vakuum und da muss jeder an sich selbst denken.

Uns versetzt das in einen kontinuierlichen Wartemodus: Geht's jetzt weiter oder nicht? Vieles wird sich vielleicht auch nur verzögern. Und wir haben auch Rücklagen. Aber damit wollten wir uns gerade eigentlich vergrößern, beruflich und privat. Wir bekommen Ende des Jahres ein Kind, es ist gerade wirklich der blödeste Zeitpunkt, seine Reserven aufzubrauchen. Die Situation zehrt auch an unserer Motivation. Man würde gerne etwas Sinnvolles tun, aber nichts fühlt sich gerade sinnvoll an. Deswegen bleiben wir auch zu Hause. Da kann man wenigstens noch Wäsche waschen.

Saskia Thienel, 32, Heilpraktikerin für Psychotherapie und Yogalehrerin, Fürth

Den Hauptteil meines Einkommens verdiene ich mit Selbsterfahrungsseminaren, die zwischen vier Tagen und einer Woche dauern. Übers Jahr verteilt sind es etwa zwölf Stück, mit denen ich 70 Prozent meines Umsatzes mache. Zusätzlich gebe ich eintägige Workshops, unterrichte zwei Stunden Yoga die Woche und arbeite auf 450-Euro-Basis an der Rezeption in einem Yogastudio. Im Dezember hatte ich eine größere OP, weshalb ich zwei Monate nicht arbeiten konnte. Dadurch habe ich auch keine Ersparnisse mehr. Im Frühling wollte ich richtig durchstarten.

Stattdessen muss ich allein für März und April drei größere Seminare plus fünf Workshops absagen. Meine Yogastunden fallen aus und auch das Yogastudio, in dem ich aushelfe, schließt. Den März bringe ich noch rum, den April wahrscheinlich auch, aber dann weiß ich nicht mehr, wie es weitergeht. Mein Zimmer in einer Dreier-WG ist zwar günstig, aber dazu kommen ja auch Versicherungen. Die Krankenversicherung kostet mich als Selbstständige beispielsweise viel.