Alma Spahic* hat gelernt, wie man ein Beatmungsgerät bedient. Erst in ihrer Ausbildung in Sarajevo, dann während ihrer vier Jahre als Krankenschwester auf einer Intensivstation in Bosnien. Heute lebt sie in Bayern und wartet darauf, dass man sie richtig einsetzt. Statt als vollwertige Krankenschwester in der bayerischen Klinik zu arbeiten, ist sie als Hilfskraft angestellt. Ihre Ausbildung zur Krankenschwester wird von den Behörden nicht anerkannt. Begründung: Die Ausbildungen seien nicht vergleichbar. "Ich darf keine Beatmung begleiten, keine Medikamente verteilen und auch niemanden spritzen", sagt Spahic.

Dabei suchen gerade Notaufnahmen in ganz Deutschland Freiwillige, fragen Medizinstudierende und die Bundeswehr an. Krankenhäuser wollen Pensionäre rekrutieren und bereiten sich auf den Notfall vor. Wenn die Patientenzahl wie erwartet steigt, wird jeder gebraucht.

Nun, da die vielen Erkrankten der Corona-Pandemie die Krankenhäuser und Pflegeheime zusätzlich belasten, wird noch dringlicher, was auch schon vorher klar war: In der Bundesrepublik fehlen laut dem Deutschen Pflegeverband 200.000 Pflegefachpersonen in Krankenhäusern, Pflegeheimen und ambulanten Diensten. In einer Studie der Bertelsmann Stiftung ist von 500.000 fehlenden Pflegekräften bis 2030 die Rede. Der Personalmangel ist groß, führt zu überlasteten Angestellten, Überstunden und einem hohen Krankheitsstand unter Pflegekräften. Wenn jetzt die Patientenzahlen steigen und zusätzlich infiziertes Personal ausfällt, könnte das auch die Gesundheitsversorgung in Deutschland gefährden. Doch Kliniken und Pflegeheime, die neues Personal einstellen wollen, scheitern an der Bürokratie.

Tausende Pflegekräfte ohne Arbeitserlaubnis

Der deutsche Pflegeverband (DPV) hält es deshalb für unerlässlich, nun Krankenhäusern die Neueinstellungen zu erleichtern. "Es gibt Tausende ausländische Pflegekräfte, die bereits in Deutschland sind, aber noch nicht die Anerkennung durch die Landesbehörden haben. Diese Fachkräfte sind kompetent und sofort einsetzbar. Stattdessen befinden sie sich in einer Art Praktikantenstatus", sagt Rolf Höfert, Geschäftsführer des Deutschen Pflegeverbands. Im Gespräch mit ZEIT ONLINE fordert er deshalb die "sofortige Zulassung von ausländischen Kollegen, die die deutsche Sprache beherrschen".

Auch Andrea Theuner, Dienstleiterin eines Pflegeheims in Baden-Württemberg hofft darauf, dass nun schnell gehandelt wird. Sie organisiert das Personal in einem Pflegeheim mit 36 Betten und beschäftigt drei Angestellte aus Rumänien. "Die Kollegen wurden gut in ihrer Heimat ausgebildet", sagt Theuner. Doch ihre Abschlüsse werden hierzulande nicht anerkannt. Deshalb dürfen sie nur als Hilfskraft in dem Pflegeheim angestellt werden. "Die drei leisten wertvolle Arbeit, beherrschen unsere Sprache und könnten noch viel mehr tun, wenn sie anerkannt wären", sagt Theuner. Pflegeheime bräuchten aktuell jede Fachkraft, weil sie vor allem ältere Bewohner betreuen, die zur Corona-Risikogruppe gehören. Wie schnell die Situation in Pflegeheim eskalieren kann, zeigt ein Blick nach Würzburg, wo sich in einem Pflegeheim innerhalb weniger Tage 23 Pflegekräfte infiziert haben und neun Bewohner starben. "Uns fehlt schon in normalen Zeiten das Personal, wie sollen wir das stemmen?", sagt Theuner.