"Wir müssen in Szenarien denken"


Was passiert am 30. März 2019, dem Tag, an dem Großbritannien offiziell aus der EU austritt? "Wir wissen es nicht", sagt eine, die sich auskennt: Yasmine Schritt leitet die Stabsstelle Brexit der Hessischen Staatskanzlei. "Wir müssen in Szenarien denken, weil wir nicht wissen, wie sich der Brexit vollziehen wird." Der bevorstehende Brexit – eine so nie dagewesene Situation. Und eine ganz besondere Herausforderung für Unternehmen wie KPMG und den Beruf des Wirtschaftsprüfers.


Die Keynote von Yasmine Schritt stimmte auf das Thema des Tages ein: "EU, UK oder K.O.? Wirtschaftsprüfung und Unternehmensberatung in Zeiten geopolitischer Veränderungen." Dem K.O. der EU entgegnete Schritt ein entschiedenes Nein, auch weil wir hier in Europa seit Jahrzehnten friedlich zusammenleben. Und was sind die Chancen und Herausforderungen, vor denen insbesondere die Wirtschaftsprüfungs- und Beraterbranche angesichts solcher Veränderungen steht? Das war der Fokus der TALENTS@ZEIT Veranstaltung, zu der ZEIT Campus zum wiederholten Male in Kooperation mit e-fellows.net und in Partnerschaft mit KPMG 50 ausgewählte Studenten, Absolventen und Young Professionals eingeladen hatte.  


"Unruhe und Unsicherheit sind the new normal", stellte Johannes Hanshen, Partner im Bereich Audit Corporates bei KPMG, gleich zu Beginn der Podiumsdiskussion fest, die von Andreas Horchler von der Frankfurt School of Finance & Management (ehemaliger ARD-Korrespondent in Washington) moderiert wurde. Es gebe zurzeit viele Unsicherheiten in der Welt, die wir als Wirtschaftsprüfer in eine Zahl packen müssen, das mache das Ganze besonders spannend, so Hanshen weiter. "Wirtschaftsprüfung hält jung", ergänzte Karolin Schriever. Sie ist seit über zehn Jahren als Prüferin bei KPMG und beruflich oft in London. Die Bankenlandschaft hätte sie noch nie so dynamisch gesehen – und noch nie so verunsichert.


Also große Krise? Dr. Martin Thomsen von der Universität Münster hat sich die 30 Dax-Unternehmen seit dem Brexit Votum am 23. Juni 2016 genauer angesehen. Was ist seitdem passiert? Gar nichts, so Thomsen. Wo also ist die Krise? Wir verlieren einen starken und wichtigen Partner, zitierte Thomsen Bundeskanzlerin Angela Merkel. Nur nach Frankreich und in die USA exportiere Deutschland mehr Waren. Und jetzt komme es zur Scheidung – das würde oft für beide Partner teuer. Die Referenten sind sich in einem Punkt einig: Man wisse nicht, was auf uns zukomme, daher müsse in allen möglichen Szenarien gedacht werden – genau das sei die Herausforderung für den Wirtschaftsprüfer. Harald Gallus, Landespräsident der Wirtschaftsprüferkammer in Hessen, ist sich auch deshalb sicher: "Wirtschaftsprüfer ist und bleibt ein spannender Beruf!"


Warum? Das konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer gleich im Anschluss an die Diskussionsrunde selbst erleben: In dem Workshop "Für 90 Minuten Wirtschaftsprüfer: Trump, BREXIT und Sanktionen – eine Zahl statt 280 Zeichen", ging es um die Herausforderung des Wirtschaftsprüfers, die Komplexität der Welt in eine Zahl zu bringen. "Die Themen waren super spannend und aktuell", befand einer der Teilnehmer im Anschluss des Workshops, Thomas Möhling. Mit Unterstützung von erfahrenen KPMG-Mitarbeitern wurden in kleinen Gruppen mögliche Auswirkungen geopolitischer Veränderungen auf den Alltag des Wirtschaftsprüfers erörtert – und das Finden von Lösungen für unterschiedliche Szenarien. "Ich fand's toll, dass wir auch selbst Hand anlegen durften", erzählt Teilnehmer Maximilian Thomas. "Der Kollege von KPMG hat in den richtigen Punkten Akzente gesetzt und super angeleitet. Das hat echt Spaß gemacht."


Parallel ging es in einem weiteren Workshop um den berühmten Elevator Pitch: "Die Macht des ersten Eindrucks: Wie ich Menschen für mich gewinne. Mein Elevator Pitch." Wie möchte ich wirken und wie wirke ich tatsächlich? Kursleiterin Cornelia Deeg, Psychologin und Business-Coach, forderte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer von Anfang an zum Mitmachen auf: Mit Zetteln auf dem Rücken, auf die alle ihren ersten Eindruck der jeweils anderen schreiben durften – schließlich wurde das Geheimnis gelüftet, und der gewünschte Eindruck konnte mit tatsächlicher Wirkung verglichen werden. Weiterer Programmpunkt: Wie kann Körpersprache durch Power Posing gezielt genutzt werden, um Menschen für sich zu gewinnen? Danach ging es bestens gerüstet in die Einzelgespräche mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von KPMG – und vielleicht in eine Zukunft als Wirtschaftsprüfer.


Das Take-away des Tages? Maximilian Thomas fasst es so zusammen: "KPMG ist sehr facettenreich. Eine Einsicht in die Welt des Wirtschaftsprüfers zu bekommen fand ich sehr hilfreich und gut!


Lesen Sie hierzu auch das Interview mit Angelika Alt-Scherer, Partner im Bereich Audit bei KPMG.