Sie sind seit mehr als 20 Jahren Wirtschaftsprüferin – wie hat sich Ihr Beruf in dieser Zeit verändert?

Die IT-Komponente hat dramatisch zugenommen, sowohl beim Prüfungsansatz als auch für die Dokumentation, die heutzutage papierlos erfolgt. Auch das regulatorische Umfeld ist komplexer, das Tempo höher, und die Themen unserer Mandanten sind noch umfassender und damit spannender geworden. Man wächst über die Jahre mit den Aufgaben und den vielfältigen Projekten. Das Auseinandersetzen mit unterschiedlichen Branchen und Menschen – sowohl aufseiten der Mandanten als auch im Team – prägen den Beruf und machen ihn so abwechslungsreich. Meine Lernkurve ist auch nach vielen Jahren im Beruf immer noch hoch, und mich motiviert besonders die Zusammenarbeit mit unseren jungen Kollegen und mit interessanten Mandanten.


Bei der diesjährigen TALENTS@ZEIT Veranstaltung ging es um geopolitische Veränderungen wie den Brexit: Wie betrifft Sie das in Ihrem Tagesgeschäft?

Geopolitische Veränderungen wie der Brexit sind für unsere Arbeit als Wirtschaftsprüfer sehr relevant. Unabhängig davon, ob man ein börsennotiertes DAX-Mandat oder ein Familienunternehmen prüft, stellt sich die Frage, welche Auswirkungen Ereignisse wie der Brexit auf die künftige Geschäftsentwicklung und damit auf Themen wie Prognose, Bewertungen und Risikoberichterstattung des Unternehmens haben. All diese Aspekte sind vom Wirtschaftsprüfer im Rahmen der Prüfung zu würdigen. Hierbei ziehe ich in der Regel auch Spezialisten hinzu, werte interne und externe Studien aus und beziehe die Ergebnisse aus Arbeitskreisen ein, die wir in solchen Fällen, oft global, bei KPMG zu wesentlichen Themen aufgesetzt haben.


Sich auf Neues und Veränderungen einzulassen, damit kennen Sie sich aus: Sie haben drei Jahre für KPMG in Shanghai gearbeitet. Wir würden Sie diese Zeit beschreiben?

Rotationsbedingt ergab sich für mich die Chance, für KPMG nach China zu gehen. Ich hatte immer schon ein großes Interesse an Reisen – und insbesondere an Asien –, und das war für mich eine tolle Chance, in diesem doch sehr anderen Kulturkreis zu leben und zu arbeiten. Diese Zeit war beruflich und privat sehr bereichernd. Sie hat meine Flexibilität und Toleranz noch mal deutlich erhöht und mir bestätigt, dass man Ziele auf ganz unterschiedliche Arten und durch verschiedene Herangehensweisen erreichen kann.


Was genau macht den Beruf des Wirtschaftsprüfers für Sie attraktiv?

Der Wirtschaftsprüfer liefert mit seiner Tätigkeit Sicherheit und Schutz am Kapitalmarkt und ist damit ein unverzichtbarer Baustein im Wirtschaftskreislauf. Das gibt der täglichen Arbeit Sinn. Darüber hinaus machen mir die  Abwechslung der Themen und das Arbeiten mit Menschen Spaß! Unterschiedliche Branchen, verschiedene Geschäftsmodelle und Persönlichkeiten prägen meinen Alltag – jeder Tag ist aufs Neue spannend! Da ich kein Routinemensch bin, ist das für mich auch heute noch der ideale Beruf. 


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