Fereschte kam vom Land, und das merkte man ihr auch nach all den Jahren noch an, die sie in Teheran verbracht hatte. Sie bemühte sich nach Kräften, ihre Herkunft zu verbergen, aber ihre Art zu reden und ihr Wortschatz verrieten sie. Die Asadis stießen sich daran nicht, denn ihr Viertel hatte sich einen kleinstädtisch-dörflichen Charakter bewahrt, obwohl es ein Teil Teherans war. Es gab für sie eine Innenwelt, die vertraut war und in der jeder jeden kannte, und es gab eine Außenwelt, die von zahllosen Unbekannten bevölkert war. Die Grenze zwischen innen und außen entsprach ziemlich genau jener des Viertels. Manche Asadis waren noch nie in ihrem Leben über das Viertel hinausgekommen. Alles, was sie benötigten, fanden sie in ihrer unmittelbaren Umgebung, und nichts trieb sie nicht dazu, Teheran zu entdecken. Diese Stadt jagte den Asadis manchmal Angst ein, weil sie um sich griff wie ein Krake und sich gierig in die Landschaft hinein fraß.

Auf dem Asadi Platz herrschten die überschaubaren Regeln einer dörflichen Gemeinschaft. Fereschte fiel daher mit ihrer ländlichen Art nicht besonders auf. Sie selbst war schuld, dass man sie hinter vorgehaltener Hand eine "Landpomeranze" nannte und sich über sie lustig machte.

Wenn sie sich mit anderen Frauen auf dem Bazar unterhielt, erzählte Fereschte immer den letzten Klatsch vom Hof des Schahs. Sie redete mit routinierter Gelassenheit über die Moden, die dort gerade aufgekommen waren und über die Auslandsreisen der höfischen Kaste.

"Wir werden nächstes Jahr auch nach Paris fahren!", sagte Fereschte und erntete damit nicht das bewundernde Staunen, das sie erwartet hatte.