Abbas hatte viel getrunken. Er schwankte bedrohlich und trotzdem bemühte er sich, aufrecht zu gehen. Die Soldaten leuchteten ihm den Weg mit der Taschenlampe. Der Lichtkegel tanzte noch eine Weile um seine Füße. Dann war er weg. Er hatte die Straßensperre hinter sich gelassen.

"Du hast wohl zu viel gesoffen!", hatte einer der Soldaten gesagt und ihm dabei heftig auf die Schulter geklopft. Es wirkte freundschaftlich, kumpanenhaft. Abbas konnte das Gesicht des Soldaten nicht erkennen. Es war im Dunkeln hinter der Taschenlampe verborgen. Er hatte ihn mit der Waffe in der Hand angehalten, die Papiere kontrolliert und dann – abgesehen von dieser Bemerkung – kommentarlos wieder laufen lassen. Eine Routinekontrolle kurz vor der Ausgangssperre. Eigentlich kein Grund zur Sorge. Doch Abbas fürchtete sich vor den Soldaten, auch jetzt noch, da er außerhalb ihrer Reichweite war. Als er ihnen seinen Ausweis gab, kam ihm der Gedanke, dass er nichts trinken könnte, wenn sie ihn in ein Gefängnis bringen würden. Diese Vorstellung versetzte ihn in Panik. Darum ging er jetzt so aufrecht und gerade, wie er nur konnte. Mit der rechten Hand strich er an einer Mauer entlang. Das half ihm, das Gleichgewicht zu bewahren. Er zuckte zusammen, als er in der Ferne Schüsse hörte. Er beschleunigte den Schritt, so gut es eben ging. Es war nicht mehr weit bis nach Hause.

Schon seit den Morgenstunden wollte er nichts anderes, als sich schlafen zu legen. Er fühlte sich todmüde. Dieser drängende Wunsch entstand, als ihm sein Vorgesetzter am Morgen mitteilte, dass er ab sofort nicht mehr zur Arbeit erscheinen müsse.

"Du bist fristlos entlassen!", sagte er zu Abbas, überreichte ihm die entsprechenden Dokumente und das Geld, das ihm noch zustand. "Aber … das … aber", stotterte Abbas. Der Vorgesetzte schaute ihn mitleidslos an. "Wir haben deinem Treiben schon zu lange zugeschaut!", sagte er trocken und schob ihn zum Ausgang. Abbas fühlte, wie die Hitze in ihm hochstieg, sein Gesicht lief rot an. Es war, als würde er innerlich lichterloh brennen. Noch bevor er sich versah, stand er vor dem Fabriktor. Der Pförtner sagte noch: "Abbas, Abbas, was hast du bloß gemacht … du Dummkopf!" Dann schloss er das Tor. Jahrelang hatte Abbas hier gearbeitet. Nun war es vorbei. Man hatte ihn auf die Straße geworfen wie ein Stück Dreck. Zornig hob er einen Stein vom Boden auf und warf ihn gegen das geschlossene Tor. Ein lauter Knall erklang, dann herrschte wieder Stille. Die Fabrik blieb stumm. Er wandte sich um und ging davon. Die Entlassungspapiere knüllte er zusammen und warf sie in den Rinnstein.