Es ist der Sound, der als erstes auffällt an der alten Vespa. Oder eher, die Abwesenheit von Sound. Denn statt dem üblichen Pöttern des Rollermotors hört man kaum etwas, als sich der weiße Roller in Bewegung setzt. Auch die Nase merkt nichts von der Anwesenheit des Klassikers: Die charakteristische Abgasfahne fehlt ebenfalls, trotz laufendem Motor. Die Beschleunigung hat dagegen etwas von Autoscooter für Erwachsene: Schaltpausen fallen aus. Stufenlos, wie an der Schnur gezogen, beschleunigt der Roller.

Gut 30 Jahre hat der Scooter auf dem Buckel. Siebziger-Jahre-Vespas sind gesucht und werden gern gefahren in den hipperen Stadtteilen Berlins und Hamburgs. In gutem Zustand wäre das, was gerade vor der Halle im Gewerbehof in Prenzlauer Berg parkt, rund 2500 Euro wert.

Allerdings greifen die üblichen Marktpreise nicht bei dem Modell, das Tobi Kückens, Donald Houwer und Nic Niemann aufgebaut haben. Denn statt des normalen 50-Kubik-Zweitakt-Motors steckt ein rund vier PS starker Elektroantrieb unter der Haube der Vespa. "Als ich das erste Mal mit ihr gefahren bin, war ich begeistert", beschreibt Houwer. "Es rüttelt nichts unter dem Hintern und ich konnte meine eigene Stimme hören."

Houwer und Niemann sind eigentlich Filmregisseure und Produzenten. Und ihnen ist Engagement für die Umwelt sehr wichtig. Im Rahmen der Berlinale organisieren die beiden mit ihrer Firma Green Me die sogenannte Green Me Lounge. Es ist ein Porojekt, in dem in Kooperation mit dem Naturschutzbund das Filmfestival ökologisch betrachtet und Drehbuchförderungen vergeben werden.

Die Idee für den Roller hatten die beiden Filmer, als sie auf der Suche nach einem zeiten Standbein waren. Weil auch das ökologisch angehaucht sein sollte, baute man Green Me Mobility auf, einen Vertrieb für Elektro-Roller der Marke Innoscooter in Berlin. Der Dritte im Team, Tobi Kückens, schraubt schon seit seiner Teenagerzeit an alten Scootern. Seine Werkstatt "Eastspeed" hat sich auf Reparaturen, Tuning und Restaurierungen von Vespas und Lambrettas spezialisiert.

Der Umbau gestaltete sich überraschend unaufwändig: Motor und Antrieb konnten komplett aus dem Elektroroller übernommen werden, ein Getriebe braucht die elektrische Vespa nicht. Es wurde ersatzlos gestrichen und wanderte in Kückens’ Ersatzteillager. Nur bei der Radaufhängung musste der Vespa-Mann ein bisschen tüfteln. Die Radaufhängung eines Motorrads verbindet nun das Hinterrad mit dem Rahmen: "Das ist eine Sondereintragung, der TÜV hat das so abgenommen", erklärt Kückens.