Sie werden zehn Jahre alt, zwölf, manchmal auch vierzehn. Aber spätestens in diesem Alter verschwindet der Großteil der Autos von den deutschen Straßen: die Form ist unmodern, die Sicherheitseinrichtungen sind nicht mehr auf dem neuesten Stand, zu viele Reparaturen, irgendwie aufgebraucht.

Auf dem Schrottplatz landet allerdings nur ein Teil der ausrangierten Fahrzeuge. Zu hunderttausenden verlassen Altautos jedes Jahr das Land, um ihr zweites Leben anzutreten ob als Taxi in einer afrikanischen Metropole oder als Stolz eines Autobesitzers in der Mongolei, der lange auf den Wagen gespart hat. Und der zweite Teil der automobilen Biografie dauert manchmal sogar länger als der erste: Weil sie im Allgemeinen gut gepflegt seien, könnten zehn oder 15 Jahre alte Autos etwa in Afrika durchaus noch einmal so lange gefahren werden, urteilt zum Beispiel die Berliner Felix Automobile GmbH, ein Unternehmen, das sich dem weltweiten Gebrauchtwagenexport widmet.

Die hohe Lebenserwartung hängt von mehreren Faktoren ab. Einer davon ist die trockene Wärme, die in vielen Teilen Afrikas das Klima bestimmt und die Autos nur sehr langsam rosten lässt. Ein anderer: Es gibt keine Alternative. Gemessen am Einkommen in Guinea oder Benin sind selbst die deutschen Abwrackkandidaten immer noch sehr teuer. Deshalb muss weiterfahren, was sich irgendwie reparieren lässt. Aus der Not heraus dürften Automechaniker in Afrika oder Zentralasien die kreativsten der Welt sein.

Was die Umweltaspekte der Verschiffungen angeht, streiten sich die Experten. Während die einen fordern, auch in der Dritten Welt nur noch Wagen mit modernster Umwelttechnik auf die Straße zu bringen, weisen andere darauf hin, dass viele Schadstoffe schon bei der Herstellung eines Wagens entstehen. Bei vielen Automodellen sei es daher umweltfreundlicher, sie möglichst lange fahren zu lassen anstatt sie zu verschrotten.

Dazu käme noch die Macht des Faktischen. Nahverkehrssysteme wie in Berlin oder Hamburg oder brauchbare Bahnverbindungen sucht man in vielen Teilen der Welt vergebens. Wer lange Strecken zurücklegen muss, dem bleibt kaum eine Alternative zum Auto. Gleichzeitig sind Neuwagen vielerorts schlicht unbezahlbar.

Allein in Richtung Afrika verlassen Deutschland deshalb im Schnitt alljährlich rund 100.000 Gebrauchtwagen. Darunter viele, die gar nicht mehr fahren. Die Aufkäufer lassen sich von kaum einem Handicap abschrecken. Autobesitzer kennen die kleinen Werbekärtchen, die immer mal wieder unterm Scheibenwischer ihres Wagens klemmen. Extrem hohe Kilometerleistungen, Motor- und Getriebeschäden oder schwere, nicht reparierte Unfälle, was sich irgendwie herrichten oder ausschlachten lässt, kommt mit auf die Schiffe der Exporteure. Selbst fehlende Fahrzeugpapiere sind für Profis des Geschäfts kein Grund, einen Wagen nicht zu kaufen.

In den Zeiten vor Einführung der Abwrackprämie wurden laut Umweltbundesamt fünf von sechs in Deutschland endgültig abgemeldeten Fahrzeugen ins Ausland gebracht. Allein nach Westafrika sind im Jahr 2008 rund 61.000 Gebrauchtwagen verschifft worden, die vorher in Deutschland zugelassen waren. Auch aus anderen europäischen Ländern wird exportiert. Sogar die Schweiz verabschiedete sich 2008 von rund 45.000 Altautos, die vor allem nach Niger, Benin, Nigeria, Angola und Togo gingen. Deutschland importierte im gleichen Jahr übrigens ebenfalls über 7000 Gebrauchtwagen aus der Schweiz. Allerdings waren das in der Regel höherwertige Fahrzeuge, ihr Durchschnittswert lag bei rund 8000 Euro.

Abnehmer für Altautos aus deutschen Beständen finden sich aber nicht nur in Afrika, sondern auch in Asien oder Europa. Die Exportrichtungen orientieren sich dabei deutlich am Preis. Höherwertige Fahrzeuge landen in der Regel in Italien, Spanien, Norwegen, Frankreich oder Österreich, manchmal auch in Russland. Ins sonstige Osteuropa wird  in der Regel das gebracht, was nicht viel kostet. Auf der Route Schweiz-Bulgarien lag der Durchschnittswert der Fahrzeuge im Jahr 2008 bei rund 600 Euro.

In Rumänien dagegen, traditionell Großabnehmer für deutsche Autos älteren Baujahres, flaut das Interesse allmählich ab. Vor allem deshalb, weil im Land bei Dacia nun eigene preiswerte Neuwagen hergestellt werden. Immerhin: Vor zwei Jahren wurden noch mehr als 80.000 Wagen in das Land gebracht. Aber inzwischen sind sogar schon gegenläufige Trends zu beobachten: Haben einst exportierte Fahrzeuge erst einmal Liebhaber-Status erreicht, etwa Mercedes-Modelle aus den Siebziger und Achtziger Jahren, werden sie von Polen oder Rumänien aus gelegentlich wieder in Deutschland zum Re-Import angeboten.