"Endlich ein Aston Martin mit Platz für vier." Wie viele Menschen diesen Gedanken in letzter Zeit gedacht haben, darüber kann man geteilter Ansicht sein. Tatsache ist allerdings: Mit dem Rapide liegt Aston Martin im Trend.

Denn in letzter Zeit haben schon andere Sportwagen-Hersteller ihre Erfolgsmodelle in die Länge gezogen und zwei weitere Türen integriert. Allen voran Porsche, wo man die hausgemachte Familienkutsche „Panamera“ taufte. Da Aston auf dem britischen Heimatmarkt in etwa die gleiche Rolle spielt wie Porsche hierzulande, musste man also schon fast nachziehen, um keine Kunden an den schwäbischen Mitbewerber zu verlieren.

Eine reine Nachziehnummer ist der Rapide allerdings nicht. Denn schon vor vier Jahren stand er als Studie in Detroit. Ende März soll nun die Serienversion in den Handel kommen. Und, Überraschung, im Gegensatz zu Konkurrenten wie Maserati Quattroporte, Mercedes CLS und eben dem Panamera bietet der Rapide in der zweiten Reihe allenfalls  Platz für zwei schmal gewachsene Damen oder nicht allzu erwachsene Kinder.

Geschäftspartnern wird der geneigte Businessman die engen Sportsitze in der zweiten Reihe allenfalls auf einen Kurztrip zum nächsten Tennisplatz zumuten – es ist einfach zu wenig Platz. Auch das Ein- und Aussteigen ist trotz der hinteren Türen kompliziert. Und für Möbeltransporte sind andere besser geeignet: Rund 300 Liter bis 750 Liter Gepäck fasst der Rapide, das liegt auf Kompaktklasseniveau.

Dafür ist der Rapide etwas anderes, nämlich, mit Verlaub: schön. Und darin liegt auch der Grund für die Enge im Innenraum: schmale Schulter, markantes Dach, der Rapide ist schärfer geschnitten als alle seine Konkurrenten. Und er ist noch etwas: schnell. Das Zwölfzylinder-Triebwerk stammt aus dem Aston Martin DB9, 350 kW/477 PS und 600 Newtonmeter maximales Drehmoment bei 5.000 Touren beschleunigen den Wagen auf mehr als 300 Stundenkilometer.

Von null auf Tempo 100 schafft es der Aston in weniger als fünf Sekunden. Dass der Durchschnittsverbrauch bei so viel Tatendrang kaum unter 17 Litern auf 100 Kilometern liegen dürfte, scheint kaum zu stören – zumindest nicht den Hersteller. Ein kleinerer Motor, etwa ein Achtzylinder, ist nach Aussagen von Firmenchef Dr. Ulrich Bez nicht in Planung: "Wir bauen keine billigen Autos. Für 1000 Autos mehr im Jahr baue ich keinen Achtzylinder in den Rapide ein." Auch muss eine gut abgestimmte Sechsgang-Automatik aus dem Hause ZF die Schaltarbeit übernehmen. Bei der Konkurrenz gibt’s schon eine achtstufige Version mit Start-Stopp-Funktion.

Trotzdem überzeugt der Wagen beim Fahren genauso wie sein Aussehen im Stand: Die Fahrwerksabstimmung des sportlichen Gleiters mit Heckantrieb muss keinen Vergleich scheuen. Lange Geraden, Wechselkurven und Bergstraßen - der Rapide macht überall Spaß. Und wer es härter braucht, der kann den Rapide mit Sportprogramm und elektronischen Dämpfern nachwürzen. Die Lenkung ist präzise und nicht zu spitz, die Bremsen sorgen für die Verzögerung, die sich der ambitionierte Pilot wünscht.

Damit hätte der Rapide das Zeug zum echten Sportler. Doch dazu müsste er erst einmal abspecken: Knapp zwei Tonnen wiegt der Wagen leer. Und trotz steifer Aluminium-Karosse, 20-Zöllern und dem souveränen Fahrwerk merkt man das ein wenig im Grenzbereich.

Rund 180.000 Euro wird der Rapide kosten. Einen Panamera Turbo gäbe es für 45.000 Euro weniger. Da verwundert es ein wenig, was es für den Wagen alles nicht gibt: Schlüsselloser Zugang, elektrische Heckklappe, Abstandstempomat, Überhol- oder Spurhalteassistent, all das bekommt der Rapide-Käufer für kein Geld der Welt.