Emissionsfreies Fahren über lange Strecken - diese Vision steht hinter dem Antrieb von Autos mittels Brennstoffzelle. Denn in der Zelle reagiert Wasserstoff mit Sauerstoff, dabei entsteht elektrischer Strom. Aus dem Auspuff kommt bei Brennstoffzellen-Fahrzeugen nur Wasserdampf. Wirklich ein schöner Gedanke. Wieso also fahren wir nicht schon alle längst mit Wasserstoff?

Die Antwort könnte ein Tag im Opel HydroGen 4 bringen. Den Prototypen mit Wasserstoff-Antrieb sieht man ab und an in der deutschen Hauptstadt. Der Hersteller hat eine Handvoll der Autos zur Erprobung an Berliner Organisationen gegeben. So wie ein Opel sieht der Wagen allerdings nicht aus. Als Basis des Opel-Brennstoffzellen-Mobils dient das SUV-Modell Chevrolet Equinox aus dem Mutterkonzern General Motors. Aber äußerlich weist nur eine schrille Lackierung auf die Öko-Technik unter der Haube hin.

Fünf Türen und Sitzplätze, ein großer Kofferraum hinter der Heckklappe - alles wie gewohnt. Lediglich ein Höcker auf dem rückwärtigen Ladeboden zeigt an, dass die zusätzlichen Wasserstofftanks Platz unter der Fahrgastzelle beanspruchen. Der HydroGen 4 hat maximal vier Kilo Wasserstoff (H2) dabei. Sie sind unter dem immensen Druck von 700 bar (es pressen also 700 Kilogramm von innen auf jeden Quadratzentimeter der Tankwand) in drei Behälter verteilt.

In der bordeigenen Brennstoffzelle reagiert das Gas dann mit dem Luftsauerstoff. Dabei entsteht elektrischer Strom für den Elektromotor an der Vorderachse, der das Auto antreibt. Das gesamte Fahrzeug wiegt 2 010 Kilogramm und damit etwa 250 Kilo mehr als ein vergleichbares Serienmodell mit Verbrennungsmotor.

Bis zu 320 Kilometer soll man ohne Tankstopp fahren können, sagt der Hersteller. Bei einem Kilo-Preis von acht Euro kostet jeder Kilometer also etwa zehn Cent. Das ist günstiger als mit vielen Benzinfahrzeugen. Wie emissionsfrei der HydroGen 4 allerdings wirklich ist, das hängt davon ab, wie der Wasserstoff erzeugt wurde, der ihn antreibt. Denn in der Natur kommt er in reiner Form nicht vor, für seine Gewinnung muss erst einmal Energie aufgewendet werden. In der Diskussion ist deshalb, überschüssigen Strom, der an stürmischen Tagen in der Windenergie-Produktion anfällt, für die Erzeugung von Wasserstoff zu nutzen. Würde das geschehen, dann wäre der HydroGen 4 wirklich näherungsweise emissionsfrei unterwegs.

Aber zurück in den Alltag. Was während des Fahrens Sorge macht, ist die Gefahr, dass am Ende des Wasserstoff-Vorrats keine Tankstelle in der Nähe ist. Bundesweit
gibt es nur ein halbes Dutzend davon, außer in Berlin noch in Frankfurt, München, Stuttgart und Hamburg. Wasserstoff lässt sich auch nicht mal eben im Reservekanister zum liegen gebliebenen Auto schleppen - das verkompliziert das Fahren bisher noch.

Das Betanken selbst ist unkompliziert und dauert beim HydroGen 4 etwa drei Minuten. Das verriegelte Ventil vom Stutzen zu bekommen ist etwas hakelig, aber kein wirkliches Problem. Tank voll, also los. Doch vom Reinsetzen und Losfahren, wie es sonst heißt, muss erst mal Abstand genommen werden. Der Prototyp verlangt Geduld, und die Startprozedur zunächst eine Vierteldrehung des Schlüssels. Die Brennstoffzelle wird hochgefahren und mittels einer elektrischen Heizung erwärmt. Sie hat ihre optimale Betriebstemperatur bei 80 Grad Celsius. Eine Herausforderung für die Batterie, wenn draußen minus 15 Grad herrschen.