Auf zwei Millionen Einheiten jährlich schätzen Experten den weltweiten Markt für Pick-ups. Von diesem Kuchen will Volkswagen mit dem Kleinlaster VW Amarok ein appetitliches Stück abhaben. Bisher ist das Segment fest in der Hand von amerikanischen und japanischen Herstellern. In Südamerika wird das Nutzfahrzeug in diesem Frühjahr eingeführt, im Sommer kommt er nach Europa. Preise sind noch nicht bekannt.

Zwei Dinge braucht ein Pick-up, wenn er erfolgreich sein soll: Neben einer ordentlichen Ladekapazität muss er auch geländetauglich sein, denn in den bevorzugten Einsatzgebieten in Südamerika, Afrika und Asien sind Straßen nach europäischem Standard eher die Ausnahme. Wenn die Laster-Riege vollständig ist, wird VW zwei Versionen mit Allrad- und eine Variante mit konventionellem Heckantrieb anbieten. Letztere soll vor allem ein Lifestyle-Publikum ansprechen, das sein Autofahrerglück weniger auf Schotter und Sand, als in der City und auf dem Boulevard sucht.

Angetrieben wird der Amarok von einem zwei Liter großen Vierzylinder-Dieselmotor, der je nach Ausführung 90 kW/112 PS oder 120
kW/163 PS leistet. Die stärkere, für die ersten Tests zur Verfügung stehende Version, wird mittels Biturbo auf Leistung gebracht, die schwächere verfügt über einen einzelnen Lader. Dank 400 Nm maximalem Drehmoment packt die längs eingebaute Maschine kräftig zu, ein manuelles Sechsganggetriebe sorgt für die möglichst verlustfreie Weitergabe an die Antriebsräder. Ein Automatikgetriebe soll erst 2012 folgen. Der Euro-5-genormte Diesel verbraucht im EU-Zyklus 7,8 Liter je 100 Kilometer. Mit diesem Wert steht der neue VW-Lastesel blendend da. Einer seiner Konkurrenten auf dem deutschen Markt, der Ford Ranger braucht bei etwas geringerer Leistung mindestens 9,3 Liter.

Ob man sich in Sachen Allrad eines traditionellen zuschaltbaren Vierradantriebs bedienen möchte oder auf modernere Audi-Permanenttechnik zurückgreift, liegt in der Entscheidungshoheit der Kunden. Der zuschaltbare Allradantrieb, wie sie auch von vielen Wettbewerbern bevorzugt wird, bietet den Vorteil einer Geländeuntersetzung. Sie kann auf schwierigem Geläuf den entscheidenden Traktionsvorteil bedeuten. Für die überwiegende Zahl der fahrtechnischen Herausforderungen reicht jedoch auch der permanente 4x4-Antrieb, bei dem ein Torsen-Differenzial für die Kraftverteilung sorgt, aber eine Untersetzung nicht vorgesehen ist.

Der Kleinlaster braucht sich so gerüstet auch jenseits der Straße nicht vor klassischen Geländewagen zu verstecken. Steigungen bis zu 100 Prozent meistert er ebenso wie steile Abfahrten. Das spezielle Offroad-ABS ist in der Lage, kurzzeitiges Blockieren der Räder zuzulassen, damit der Reifen einen Kieskeil vor sich herschieben und so die Bremswirkung vergrößern kann. Hinterachssperre und Getriebeuntersetzung für maximale Traktion vervollständigen schließlich die Geländeausstattung.

Obwohl nach bekannter Art mit Leiterrahmen, Starrachse hinten und Blattfedern gebaut, legt der Amarok einen erstaunlichen Fahrkomfort an den Tag. Bis zum Limousinengefühl ist es zwar noch ein Stück, aber auf der Testfahrt mit längeren Schotter- und Asphaltpassagen machte das Fahrwerk einen ausgewogenen und hinreichend bequemen Eindruck. Die Lenkung ist für präzise Geländemanöver ausreichend direkt und die Geräuschentwicklung geht über das für einen Pickup angemessene Niveau nicht hinaus.

Lasttiere wie der Amarok können selten mit besonderer Wohnlichkeit im Innenraum glänzen, da macht der VW-Newcomer keine Ausnahme. Immerhin bemüht sich der Hersteller, optional durch Chromapplikationen und andere Merkmale ein bisschen Pfiff in die Optik zu bringen. Die kastenförmige Bauweise schafft ein gutes Raumgefühl, lediglich auf den hinteren Sitzen ist der Knieraum beschränkt. 

Die Komfortausstattung ist ebenso wie das Angebot an serienmäßigen Sicherheitseinrichtungen ein gutes Beispiel für das ganze Segment. An allen Seitenscheiben gibt es elektrische Fensterheber. ESP und Seitenairbags sind in allen Varianten ab Werk an Bord. Die Preise will Volkswagen noch nicht verraten. Sie sollen sich an den Wettbewerbern, vor allem dem Toyota Hilux, dem Nissan Narava und dem Mitsubishi L200 orientieren und dürften daher bei rund 25.000 Euro starten.