Alles fing mit einer gut gemeinten Provokation an: "Zeigt mal, ob ihr Frauen es alleine könnt", sagte Siegfried Erkner zu seiner Tochter Maria, als diese über die Dominanz der Männer beim Autoverkauf schimpfte. Die 24-jährige Hochschulabsolventin der Betriebswirtschaft wollte eigentlich nicht in diese Branche. Vater und Bruder Sven haben mehrere Autohäuser im Osten Berlins, doch jetzt war ihr Ehrgeiz geweckt. Sie nahm die Herausforderung an und gründete im Herbst vergangenen Jahres Deutschlands erstes "Frauen-Autohaus". Acht Frauen in Handel und Werkstatt schmeißen den Laden in Hennigsdorf, nördlich von Berlin, ganz ohne männlichen Beistand.

"Señorita Maria" nannte Erkner den Betrieb. Der Name sollte Schwung haben. Da sie "Seat"-Autos verkauft, bot sich etwas Spanisches an und eine Señorita, ein Fräulein, ist sie selbst. Dass der Autoerzeuger ein flammendes Rot als Firmenkennfarbe gewählt hat, ist praktisch. So wirkt der Verkaufsraum gleich voller Temperament und Energie. Eine Kinderspielecke könnte noch als Tribut ans Weibliche gewertet werden, auch ein paar dekorative Spiegel, die sonst in Autohäusern fehlen, und Poster mit eleganten Frauenprofilen und ganz ohne Fahrzeuge. Damit erschöpfen sich aber schon die Hinweise auf die weibliche Komponente von Erkners Geschäft. Professionalität soll Erfolg bringen, nicht Sex-Appeal.

"Im Frauen-Team zu arbeiten, macht keinen Unterschied. Man tut schließlich den gleichen Job", sagt denn auch Franziska Fengler, 19-jährige Automechaniker-Auszubildende bei "Señorita Maria". Solange der Wagen hinterher laufe, interessiere doch niemanden, ob Männer- oder Frauenhände ihn repariert haben. Körperlich sei die Arbeit auch für Frauen zu leisten. Zur Not packten alle drei Mechanikerinnen gemeinsam an.

Verkaufsmitarbeiterin Charline Nixdorf sieht auch Vorteile. "Man muss sich nicht jeden Tag beweisen, wie unter Männern", sagt die 19-Jährige, "und die Kunden sind lockerer." Funktioniere mal etwas nicht auf Anhieb, zeigten sie Geduld. Sieben Mitarbeiterinnen hat die junge Chefin. Erkner ist zufrieden mit dem Erfolg der ersten Monate. Von der Abwrackprämie konnte sie zwar nicht profitieren, denn sie kam zu spät, aber das stört sie nicht. "Die Prämie hätte einen falschen Eindruck vom Umsatz erzeugt. So weiß ich realistisch, wo wir stehen", sagt sie voller Optimismus.

Die "Señorita Maria" hat Wellen geschlagen seit der Eröffnung. Redaktionen von Tageszeitungen, Automagazinen und Frauenzeitschriften entsandten ihre Reporter, um zu berichten, wie Frauen in eine der letzten Männerdomaine eindrangen und jetzt fröhlich Autos schrauben und verkaufen. "Mit soviel Interesse hätte ich nicht gerechnet", sagt Erkner, doch offensichtlich sei es immer noch nicht selbstverständlich, als Frau in der Autowelt auf eigenen Füßen zu stehen. Wie werbewirksam ihre Idee war, hat auch Seat für sich entdeckt: Munter lächelnd zieren Erkner und ihr Team die Frühjahrsbroschüre des Autokonzerns in roten Overalls und laden zum Auto-Check ein.

Wer könnte da Nein sagen? Die Kundschaft kommt gern und es sind mehr Männer, als Frauen, die die Seat-Fräulein aufsuchen. "Ich habe in der Zeitung darüber gelesen", sagt Frank Kürth, ein 60-jähriger Maurer. "Ich erhoffe mir bessere Beratung." Er erläutert, dass männliche Verkäufer immer schnell zum Abschluss kommen wollten und Kürth sich verärgert fühle bei zu viel Druck. "Alles hübsche Frauen hier", sagt er auf die Frage, ob der Autoverkauf bei der Señorita sich von dem in anderen Autohäusern unterscheide. Kürth will noch überlegen und geht erstmal, ohne zu kaufen - aber sichtlich zufrieden.