Oft ist es das Allererste. Oder das Auto, das einen durch die Studien- oder Ausbildungszeit begleitet hat. Viele Menschen hatten oder haben ein Auto, das für sie eine besondere Bedeutung hat. Einige dieser Geschichten erzählen wir hier. Diesmal: ZEIT ONLINE-Leser Tobias Hamann erzählt von seinem VW Käfer.

Er lief und lief und lief. Und er war ein echtes Kultobjekt: der VW-Käfer, im Heck mit der 1200er Maschine mit 34 PS. Ich kaufte meinen 1996, kurz nachdem ich den Führerschein bestanden hatte. Damals gab es noch viele Käfer im Straßenbild. Immerhin wuchsen Generationen damit auf. Er war mit seinen 34 PS das ideale Fahranfängerfahrzeug.

Der Vorbesitzer meines Käfers war ein Ingenieur, den ich aus einer Kneipe kannte. Eines Abends fasste er den folgenreichen Entschluss, den geliebten Käfer zu veräußern. Zwei Bier und 300 Mark später war ich stolzer Eigentümer des schwarzbraun lackierten Gefährts.

Meine damalige Freundin war entzückt. Überhaupt war die Damenwelt mir sofort viel aufgeschlossener gegenüber, gehörte man(n) als Käferbesitzer ja rein imagemäßig zur Avantgarde. Solche Vorschusslorbeeren ernten sonst vielleicht noch Saab-900 Fahrer.

Eine der ersten Reisen mit dem Käfer führte mich und meine Herzallerliebste nach Dänemark. Dummerweise vergaß ich die Schlüssel im Zündschloss – bei geschlossenen Türen. Panik kam auf. Wir erwarben eine Angelsehne und ich versuchte mehrere Stunden lang mit Hilfe der Sehne und einer belochten dänischen Krone den Knopf durch die Türdichtung wieder nach oben zu ziehen. Vergebens. Es regnete in Strömen, meine Freundin bekam einen Wutanfall. Irgendwann sah ich keine andere Lösung mehr und schlug die Aufstellscheibe ein. Sie sprang auf – unbeschädigt. Was für ein Glück! Meine Freundin vergab mir und wir feierten das Happy End knutschend auf den karierten Sitzen. 

Irgendwie war alles mit dem Käfer versöhnlicher. Das Auto schaffte auch immer wieder neue Begegnungen. Ständig traf ich andere "Käferisten", die mir von ihren Käfergeschichten erzählten. Ich meine mich zu erinnern, dass diese Leute dabei immer sanft und weise lächelten. Der Zusammenhalt unter den Käferfahrern war einfach enorm: Sich zuzuwinken und die Lichthupe zu betätigen, gehörte einfach mit dazu. Und selbst Oberklassenlimousinen-Fahrer gewährten mir und meinem Käfer Vorfahrt, in der Hamburger Innenstadt parkte ein Bentleyfahrer sogar aus der gerade gefundenen Parklücke wieder aus, um meinem Käfer diese lächelnd zu überlassen.

Ja, sogar der erste Unfall war mit dem Käfer nur halb so wild: Ich rutschte vom Bremspedal ab und rumste in meinen Vordermann. Dessen Wagen überlebte den Zusammenstoß zum Glück mit lediglich einem kleinen Lackschaden. In der Käferhaube klaffte eine große Beule. Da half nur, beherzt von innen gegenzutreten. Ausbeulen für Käferisten. Es half: Schon glänzte die Haube wieder beulenlos. Darunter war der Käfer sowieso unversehrt geblieben, hatte er den Rums ja schließlich im Heck.

Irgendwann jedoch kam der Tag der Trennung. Es waren egoistische Gründe, das räume ich unumwunden ein: Der Käfer soff trotz kleinster Maschine recht ordentlich, das kostete! Und ich wollte auch mal meine Surfboards transportieren. Also avancierte ich vom Käferfahrer zum Besitzer eines VW-Busses, über den man weitere heitere Geschichten erzählen könnte. Abgewrackt wurde der Käfer aber nicht: Ich verkaufte ihn weiter. Und wie ich hörte, fuhr der neue Besitzer mit dem Auto noch mehrere Jahre zwischen Kiel und Würzburg hin und her. Ach ja, der Käfer, er lief und lief und lief.....

Haben oder hatten Sie auch ein Auto, zu dem sich besondere Geschichten erzählen lassen? Dann schreiben Sie uns eine Mail und erzählen Sie von Ihren Erinnerungen.