Wenn sich in den vergangenen Jahren Kameras nach Hennigsdorf bei Berlin verirrten, dann weil die Stadt zum Drehort für Musikvideos und Teilen einer Tatort-Folge wurde. Heute gilt das Interesse von Journalisten maßgeblich dem dort ansitzenden weiblichen Geschlecht: Denn seit dem vergangenem Herbst steht in Hennigsdorf Deutschlands erstes Frauen-Autohaus .

Ein Team von acht Frauen im Alter von 19 bis 26 Jahren schmeißt den Laden, nördlich der Hauptstadt, ganz ohne männlichen Beistand. Geschäftsführerin ist die 24-jährige Betriebswirtin Maria Erkner. Eigentlich wollte sie nicht in diese Branche, eine Wette mit dem Vater jedoch gab schließlich den Ausschlag. "Er und mein Bruder haben nicht geglaubt, dass Frauen es auch alleine können." Sie hat ihm das Gegenteil bewiesen. "Und jetzt ist mein Vater stolz, sehr sogar", sagt Erkner.

Das Autohaus-Gleichnis Maria Erkners Autohaus hat nichts zu tun mit der üblichen Vorstellung von Frauen in Öl. Hier wird hart gearbeitet und Männer geraten darüber ins Staunen, dass es keinen Unterschied zwischen den Geschlechtern gibt.

Dass hier selbstbewusste Frauen am Werk sind, die sich ihrer Wirkung bewusst sind, zeigt auch das Firmenlogo: Ein Kussmund auf knallrotem Hintergrund. Das Logo haben die Frauen selbst entworfen. Und nicht nur das: "Wir haben bei der Gestaltung des Hauses darauf geachtet, dass es nicht so kühl und kahl daher kommt, wie andere", sagt Erkner. Frauen sollen sich zwischen roten Wänden, Deko-Blumen und ausgiebiger Kinderspielecke wohlfühlen und sich trauen, Fragen zu stellen.

Dennoch sind laut Erkner gut 70 Prozent der Kunden Männer. "Das mag daran liegen, dass sich herumgesprochen hat, dass hier ausschließlich Frauen arbeiten", sagt sie mit einem Augenzwinkern. "Der eigentliche Grund ist aber wohl, dass Frauen selten in ein Autohaus gehen und eher ihren Mann den Wagen in die Werkstatt bringen lassen." Das soll sich in Zukunft ändern. So sind zum Beispiel Schrauberkurse für Frauen geplant.

Das Konzept hat jedoch nicht nur Vorteile für die Kunden, sondern auch für die Mitarbeiterinnen. Eingestellt wurden zunächst einmal Damen aus anderen Häusern, die Gefallen an dem Projekt gefunden haben. So auch Nadine Unger: "Hier wird viel gesprochen und wir trauen uns gegenseitig viel zu. In anderen Häusern arbeitet man oft unter einem Mann und hat nur wenig Entscheidungsfreiheit." Sie habe das Gefühl, sich hier selbst verwirklichen zu können.

Die Berichte über das Projekt häufen sich. In Foren und Blogs wird heiß diskutiert , ob Erkner und ihre Kolleginnen Männer diskriminieren oder gar das deutsche Recht verletzen, da allein Frauen angestellt werden – kein abwegiger Gedanke. Denn wenn sich ein Mann dort bewirbt und abgelehnt wird, weil er eben keine Frau ist, ist dies eine Ungleichbehandlung, die einer Rechtfertigung bedarf.