ZEIT ONLINE: Frau Triebl, seit vier Jahren geben Sie das Magazin Ladies Drive heraus. Ausgerechnet im Schweizer Appenzell, das erst spät das Frauenwahlrecht einführte, machen Sie das einzige Automagazin für Frauen. Wie kam es dazu?

Sandra-Stella Triebl: Ich bin Designfan. Zehn Jahre lang war ich die Co-Moderatorin einer Autosendung im Schweizer Fernsehen. Außerdem wuchs ich mit zwei älteren Brüdern auf, die sich sehr für Autos interessierten. Vielleicht bin ich ja falsch sozialisiert worden. Und damit bin ich als Frau offenbar nicht allein. Denn der Erfolg von Ladies Drive zeigt, dass wir eine Marktlücke füllen. Außerdem glaube ich, dass wir Erfolg mit diesem Konzept haben, weil wir authentisch sind.

ZEIT ONLINE: Wie unterscheidet sich Ihr Magazin denn von den gängigen Motorenmagazinen?

Triebl:  Wir sind kein Ableger eines bereits bestehenden Magazins. Das würden Frauen, die Autos auf diese Weise mögen, wie wir es tun, nicht wollen. Sie wollen keine Abwandlung eines Männerproduktes, sie wollen etwas eigenes, das sie ernst nimmt. Die Frauen, die PS lieben, werden mit den gängigen Magazinen auf dem Markt bestens bedient. Aber es gibt viele Frauen, denen die technischen Daten nicht wichtig sind, die sich nicht für Newtonmeter und PS interessieren, aber fasziniert sind von Autodesign und Funktionalität. Das Interesse für Autos ist nicht geschlechtsabhängig, aber entsprechend der gängigen Geschlechterbilder und Geschlechterrollen sind Männer und Frauen auf unterschiedliche Weise von Autos fasziniert. Und für Frauen, die Autotests lesen wollen, in denen keine Zahlen aneinandergereiht sind, sondern in denen beschrieben wird, wie sich die Fahrt mit einem Wagen anfühlt, gab es einfach kein Magazin. Diese ganzen Daten in Autotests, die sagen doch häufig gar nichts aus. Ein schweres Auto fährt mit einer hohen PS-Zahl ganz anders als ein leichtes. Darum muss man beschreiben, wie das Fahrgefühl ist. Wie es ausschaut, wie die Haptik ist, wie sich die Knöpfe bedienen lassen. Ob es nun drei rote und zwei grüne Knöpfe gibt, ist egal. Aber ob sich diese intuitiv bedienen lassen, wäre vielleicht interessant. Unsere Leserinnen wollen auch nicht in erster Linie wissen, wie der Bordcomputer funktioniert, sondern wie einfach er zu bedienen ist und was er kann. Die technischen Daten führen wir natürlich auch auf — in einer Infobox neben dem Text.

ZEIT ONLINE: Ihr Magazin behandelt aber auch Karriere- und Lifestylethemen.

Triebl:  Ja, wir spielen gerne mit den Rollenklischees – das ist auch der Grundgedanke von Ladies Drive . Bei uns sitzt die Businessfrau am Steuer und ihr gut gekleideter Ehemann auf dem Beifahrersitz. So quasi "gute Männer kommen in den Himmel, böse auf den Beifahrersitz". Wir versuchen auch mit den Textformen zu spielen. So gibt es bei uns auch mal einen Autotest als Akrostichon oder den Dialog zwischen ihr und ihm, in den Details über ein neues Modell einfließen. Im Übrigen schreiben auch nicht Journalisten für das Magazin, sondern die Zielgruppe selbst: Businessfrauen. Sie verleihen den Texten eine andere Sichtweise. Wir wollen, dass jeder Text eine Art Kurzgeschichte ist. Neulich habe ich mal einen außergewöhnlichen Roadster getestet und im Test darüber berichtet, was mir alles widerfahren ist. In einem solchen Wagen geschehen Ihnen nämlich Sachen, die man mit einem älteren Golf oder Smart niemals erleben würde. Autos machen Leute.