Ein Bärendienst ist, wenn man glaubt, jemandem einen Gefallen zu tun, ihm in Wirklichkeit aber schadet. Mit dem neuen Vorstoß zur Einführung eines Energieeffizienzlabels beim Auto könnte das federführende Bundeswirtschaftsministerium der heimischen Industrie ungewollt einen solchen Dienst erweisen. Die Eckpunkte des Papiers sehen vor, dass schon Fahrzeuge mit durchschnittlichen Verbrauchswerten die sehr gute Bewertung A bekommen.

Die wirklich sparsamen Autos bekämen ein, zwei oder sogar drei Pluszeichen hinter das A gesetzt. Damit hätten Volkswagen, BMW und die anderen Deutschen kaum Chancen, ihre Erfolge beim Bau umweltfreundlicher Autos transparent für den Käufer zu dokumentieren. Viele Fahrzeuge hätten per se eine vergleichsweise gute Bewertung.

Was als Ministerverordnung jetzt in Kraft treten könnte, ist nicht der erste Versuch, das von Kühlschränken und Waschmaschinen vertraute Effizienzlabel in die Autohäuser zu bringen. Fast alle westlichen EU-Länder wie Dänemark, die Niederlande oder Frankreich haben die bunten Pfeile von Grün für effizient bis Rot für ineffizient an jedem Auto im Verkaufsraum hängen. Hierzulande gibt es bislang lediglich einen etwa DIN-A5-großen Zettel, der Auskunft über den Verbrauch und den daraus direkt resultierenden Kohlendioxid-Ausstoß.

Aber nur wenige Kunden wissen, ob 187 Gramm CO2 pro Kilometer viel oder wenig sind. In Frankreich ist dies dagegen leicht ersichtlich: Dort werden alle Autos schlicht nach ihrem absoluten Benzinverbrauch und den CO2-Emissionen eingestuft. Der Kleinwagen Peugeot 107 mit einem Normverbrauch von 4,5 Litern und 106 Gramm CO2 pro Kilometer kommt in die Klasse B. Der Geländewagen Land Rover Discovery mit Automatikgetriebe verbraucht 10,2 Liter Diesel und emittiert 270 Gramm CO2 pro Kilometer. Für ihn bleibt nur die schlechteste Einstufung G. Wer viel Sprit verbrennt, ist per se schlecht – ein Problem für die deutschen Hersteller, deren Portfolio sich auf größere Autos konzentriert und die bei einer absoluten Regelung folglich überall schlecht abschneiden.

Der Verband der deutschen Autoindustrie (VDA) lief deshalb Sturm gegen ein analoges Instrument in Deutschland. Kein Käufer, der zum Beispiel wegen seines familiären Platzbedarfs einen riesigen Skoda Superb Kombi kaufen möchte, würde auf einen kleinen Suzuki Alto umsteigen, nur weil der sparsamer und damit ökologischer ist, argumentierte der Verband. Der Vergleich müsste ähnlich wie bei Kühlschränken, relativ zu einer Bezugsgröße erfolgen.

Aber der Reihe nach: Die EU verabschiedete 2007 Vorschriften zum Benzinverbrauch und CO2-Emissionen. Demnach müssen die Automobilhersteller bis 2015 im Durchschnitt ihrer gesamten Modellpalette einen CO2-Ausstoß von 130 Gramm pro Kilometer erreichen. Der Zielwert orientiert sich am durchschnittlichen Fahrzeuggewicht von 1289 Kilogramm und entspricht 4,5 Litern Diesel oder fünf Litern Benzin.