Die Hersteller elektrisch fahrender Autos haben einen Albtraum: Irgendwo in den USA, in Nebraska, Kalifornien oder Georgia, wird ein Mensch auf dem Parkplatz einer Einkaufs-Mall von einem strombetriebenen Auto angefahren, weil es zu leise ist. Der Autobauer wird mit Produkthaftungsklagen überzogen, ein schwerer Imageschaden für ihn und für das emissionsfreie Fahren. Den Alptraum vor Augen, grübeln die Konstrukteure über mögliche technische Auswege aus dem Konflikt zwischen Sicherheit einerseits und dem Wunsch nach weniger Verkehrslärm andererseits.

Hinter vorgehaltener Hand geben viele Hersteller zu, an künstlichen Geräuschen bei Autos zu arbeiten. Man wolle die Notwendigkeit dazu eigentlich vermeiden, heißt es unisono. Wenn es denn aber sein müsse, solle der Sound vor allen Dingen charakteristisch sein, also mit einem Wiedererkennungswert. Dann klingt der eine Wagen nach Mercedes und der andere nach VW. So droht die Entwicklung zu leiseren Städten, die durch Fortschritte bei den Reifen weiter beschleunigt werden könnte, zu scheitern. Stattdessen könnte eine unkontrollierte Kakofonie markenspezifischer und elektrisch generierter Laute die akustische Umweltverschmutzung verstärken.

Der ADAC, mit mehr als 17 Millionen Menschen mitgliederstärkster deutscher Autofahrerverein, möchte die Diskussion zwar nicht auf einzelne Antriebsarten beschränken: "Elektroautos können tatsächlich leiser als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor sein", sagt Carsten Graf vom ADAC Technikzentrum Landsberg. Das gelte allerdings nur für den langsamen Verkehr, zum Beispiel in der Stadt: "Ab einer Geschwindigkeit von etwa 80 Stundenkilometern dominieren Wind- und Reifengeräusche, sodass hier kein signifikanter Vorteil gegenüber konventionellen Autos besteht." Doch auch ein modernes Auto mit gut gedämmtem Benzin- oder Dieselmotor könne bei niedrigen Geschwindigkeiten im Rollbetrieb überhört werden.

Für künstliche Geräusche bei Autos egal welcher Bauart plädiert Graf aber nicht. "Ich halte es nicht für sinnvoll, Autos künstlich lauter zu machen. Vielmehr sollten alle konventionellen Autos noch etwas leiser werden, sodass Elektroautos nicht völlig im Lärm der anderen Fahrzeuge untergehen", meint der ADAC-Techniker. Er setzt außerdem darauf, dass die anderen Verkehrsteilnehmer ihre Sinne schärfen. Fahrräder oder Elektro-Zweiräder sind ebenfalls sehr leise, und niemand kommt auf die Idee, einen Soundgenerator anzubauen.

Auf Rücksichtnahme setzt traditionell auch die Deutsche Verkehrswacht. Sie ist der Ansicht, dass alle sich für das Problem besonders leiser Elektroautos sensibilisieren müssen. "Die Fahrer solcher Autos müssen sich bewusst sein, dass sie nicht oder zu spät wahrgenommen werden", erklärt Hannelore Herlan von der Verkehrswacht, "sie müssen dementsprechend aufmerksam und rücksichtsvoll fahren." Das müsse mittelfristig in die Ausbildung beim Führerschein oder in Fahrsicherheitstrainings einfließen. Gleichzeitig müssten sich Fußgänger und Radfahrer über die Gefahr lautlos herannahender Fahrzeuge im Klaren sein. "Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels wollen wir uns besonders um die wachsende Zahl älterer Menschen kümmern." Die, so Herlan, könnten durch spezielle Seniorenberater geschult werden, um sich selbstsicher im Verkehr zu bewegen.