Kein Knattern, kein stinkender Auspuff-Qualm, nur ein leichtes Surren, das beim Drehen am Gashebel ein wenig lauter wird. Ein Elektro-Roller in der 45-km/h-Klasse ist zwar nicht so beeindruckend wie der Tesla Roadster, doch auch auf zwei Rädern fährt es sich elektrisch recht angenehm.

Nur wenn man mit dem Eco Flash 2000 bei langsamem Tempo rangieren muss, ist Muskelkraft gefragt: Der Stromer wiegt 144 Kilogramm. Mal eben das Fahrzeug schnell mit dem Vorderrad auf den Bordstein wuchten, ist nicht drin. Dafür kann man jede Tankstelle links liegen lassen. Günstig ist das Fahren mit dem Elektro-Zweirad auch noch: Der Strom für 100 Kilometer kostet beim aktuellen Strompreis nur rund 70 bis 80 Cent.

Obwohl es schon seit mehreren Jahrzehnten elektrische Zweiräder gibt, sind sie bislang nur in manchen Ländern populär. In China zum Beispiel, wo pro Jahr rund 20 Millionen E-Roller gebaut werden. Auf dem Land dominieren auch dort noch knatternde Mofas oder Motorrad-Rikschas, doch in Großstädten wie Shanghai sieht man die leisen Flitzer an jeder Ecke. Die meisten Motorroller haben abnehmbare Akkus. Da die wenigsten Chinesen eine eigene Garage haben, wo sie den Roller einstöpseln könnten, schleppen sie einfach den Akku in ihre Wohnung und laden ihn bei Bedarf über Nacht.

Auch in Deutschland werden Elektro-Roller angeboten, doch das Interesse ist noch gering. Horst Schultz, Leiter des Museums Autovision in Altlußheim bei Hockenheim, ist bei Führungen immer wieder überrascht, wie wenige Menschen überhaupt wissen, dass Roller auch elektrisch fahren können. Sein Museum zeigt die Entwicklung der Mobilität vom hölzernen Zweirad bis zu den alternativen Antrieben und Treibstoffen der Zukunft. Die Altlußheimer stellen die Fahrzeuge aber nicht nur aus, sondern bewegen einige auch im Alltag. Unter anderem dienen zwei Elektro-Scooter als rollende Ausstellungsstücke.

"Die beiden Roller haben wir vor allem angeschafft, damit junge Besucher des Museums diese Art der Fortbewegung kennen lernen", sagt Elektroingenieur Schultz. "Unsere Roller haben wir in der Filiale einer großen Supermarktkette gekauft, die standen dort wie Blei – keiner wollte sie haben", berichtet der Museumsleiter. "Wir haben sie stark verbilligt für 900 Euro pro Stück bekommen."

Die beiden Elektroroller des Museums wurden in China gebaut und erinnern im Design an eine Vespa. Der steuer- und zulassungsfreie E-Scooter, in Deutschland unter dem Namen Eco Flash 2000 vertrieben, kann bereits von 16-Jährigen mit einem Führerschein der Klasse M gefahren werden, genau wie herkömmliche Roller mit Verbrennungsmotor bis 50 Kubikzentimetern Hubraum und einer Höchstgeschwindigkeit von 45 km/h.

Der China-Roller hat einen bürstenlosen und 2 kW starken Radnabenmotor und kann zwei Personen befördern. Als Speicher dienen vier Blei-Gel-Akkus mit einer Betriebsspannung von insgesamt 48 Volt. Die Batterien geben dem Roller eine Reichweite zwischen 50 und 60 Kilometern. Für ein reines Stadtfahrzeug ist das mehr als genug, doch ein normaler Viertakt-Roller hat eine Reichweite von etwa 150 Kilometern. Aufgeladen wird die Batterie über das mitgelieferte Ladegerät an einer normalen 220-Volt-Steckdose. "Eine volle Ladung dauert sieben bis acht Stunden, der Akku hat aber schon nach der halben Zeit 80 Prozent seiner Kapazität", sagt Christoph Seiler, Sprecher des Museums Autovision.

Neben dem geringen Aktionsradius hat der Roller einen weiteren gravierenden Nachteil: die Abhängigkeit der Leistung vom Ladezustand. Wenn die Akkus zur Neige gehen, erreicht der Roller nicht mehr sein maximales Tempo. Ungewiss ist zudem die Lebensdauer der Batterie: Die wird von den meisten Händlern mit rund 350 Ladezyklen angegeben. Da Fahrer kaum an jedem Tag die volle Reichweite ausnutzen, muss der Roller allerdings nicht täglich an die Steckdose. "Die Ersatzakkus würden ungefähr 600 Euro kosten", sagt Seiler. Während der Hersteller auf das Fahrzeug 24 Monate Gewährleistung gibt, liegt diese für die Hauptbatterien laut Betriebsanleitung nur bei sechs Monaten.

Die Nachteile des Stromers dürften sich spätestens dann relativieren, wenn die Preise für Batterien durch Massenproduktion deutlich sinken und man bestimmte Innenstadt-Zonen nur noch mit Null-Emissions-Fahrzeugen nutzen darf. An eines muss man sich dann aber gewöhnen: "Fußgänger und auch Tiere wie Hasen und Vögel nehmen einen auf diesem Roller kaum wahr", berichtet Christoph Seiler von seinen Erfahrungen. Das wichtigste Bedienelement neben Gashebel und Bremsen ist daher die kräftige Hupe.