Die Seitenscheiben sind wegen der Hitze komplett herunter gekurbelt. 1995, als Greenpeace einen gewöhnlichen Renault Twingo zum Dreiliterauto SmILE umbaute, waren Klimaanlagen noch keine Selbstverständlichkeit. Am Steuer sitzt Wolfgang Lohbeck, der Autofachmann der Umweltorganisation. Er hat den fahrbereiten und zugelassenen Prototypen aus der Schweiz nach Hamburg geholt und lädt nun zur kleinen Ausfahrt des SmILE. Sein Name ist Abkürzung und Programm zugleich: Small, Intelligent, Light and Efficient .

Greenpeace wollte zeigen, dass sich der Verbrauch von Autos sofort und ohne teures Material drastisch sinken ließe – bei gleichen Fahrleistungen. Kern der Idee ist ein radikal verkleinerter Boxermotor, der nur 35 Kilogramm wiegt und mit zwei Zylindern sowie 358 Kubikzentimetern Hubraum plus Turbohilfe eine Leistung von 55 PS (40 kW) erzeugt. Unvergessen sind Lohbeck die hämischen Reaktionen der Autohersteller, bei denen er mit dem SmILE vorgesprochen hat. Das Fahrzeug sei der eigenen Klientel nicht zumutbar, hieß es im besten Fall, und er erntete ein mitleidiges Lächeln.

Jetzt, 15 Jahre später, kehrt das Konzept in ähnlicher Form doch zurück: Fiat bringt sein Modell 500 als Variante Twin-Air auf den Markt. Dabei kommt der italienische Autohersteller dem Greenpeace SmILE auf halbem Weg entgegen. Auch der Twin-Air hat zwei Zylinder, die bei ihm allerdings parallel angeordnet sind. Zudem ist das Motorvolumen von 875 Kubikzentimetern deutlich größer, der Motor wiegt mit 85 Kilogramm erheblich mehr als sein kleines Pendant im Greenpeace-Auto. Ein Turbolader sorgt für 85 PS (63 kW) Leistung.

Das Ergebnis sind 4,1 Liter Normverbrauch, was 95 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer entspricht. Den Verbrauch konnte Fiat insbesondere dadurch verringern, dass man auf die Einlassnockenwelle verzichtet hat. Sie wird durch ein vollvariables, elektrohydraulisches System ersetzt, was gerade im Teillastbereich Vorteile bringt. Fiat verwendet also Hochtechnologie, neben welcher der SmILE wie Low-Tec wirkt. Aber genau das war die Absicht von Greenpeace: Mit einfachen Mitteln in der Jetztzeit den Verbrauch senken. Stattdessen wird heute auf Automessen die elektrische Mobilität der Zukunft gefeiert: "Mich ärgert, dass ständig über das Elektroauto geredet wird, weil darüber vergessen wird, was wir sofort beim Verbrennungsmotor erreichen könnten", kritisiert Wolfgang Lohbeck.