Man reibt sich die Augen: Ausgerechnet im Zeichen des Klimaschutzes wird das Auto in seiner Elektrovariante zum Hauptbestandteil zukünftiger Mobilität (v)erklärt. Doch um im Dickicht der Argumente den Überblick zu behalten, sollte man zwei Prämissen beachten: Erstens muss man unterscheiden zwischen den realen Möglichkeiten und dem künstlich entfachten "Hype". Zweitens muss man Elektromobilität und Elektroautos auseinanderhalten.

Zunächst ein Blick auf den "Hype" und damit die großen Akteure, die sich für Elektroautos stark machen. Vorneweg marschieren die Stromversorger – bisher nicht als Experten für Mobilität in Erscheinung getreten – und die Politik, und mit etwas gebremster Begeisterung sind auch die Autohersteller dabei. Doch um die Glaubwürdigkeit der Akteure steht es nicht gut. Die Autoindustrie hat, massiv unterstützt von der Bundesregierung, erst jüngst einen erbitterten Kampf gegen schärfere CO2-Grenzwerte geführt.

Vor allem aber die Stromversorger als europaweit größte CO2-Dreckschleudern müssen sich fragen lassen, wie sie sonst zum Klimaschutz stehen. Jetzt gerieren sie sich als Klimaschützer und Innovatoren mit "smarten" neuen Geschäftsmodellen und stecken im Windschatten der aktuellen Diskussion schon mal vorsorglich ihr Feld ab. Und die Autohersteller müssen kaum noch ein Wort über die auf hohem Niveau stagnierenden Verbräuche verlieren. Das Entfachen von Aufbruchstimmung scheint im Vordergrund zu stehen, zumal es auch um die Akquise erklecklicher Fördermittel geht.

Der Politik kommt das gelegen, fallen für sie dabei doch ein paar Imagepunkte als Erneuerer ab. Dabei werden die realen technischen und gesellschaftlichen Möglichkeiten eher vernebelt als erhellt. Ähnlich anderen "Hypes" mit gleicher Zielrichtung lenkt auch die aktuelle Diskussion vom real – und vor allem heute – Machbaren ab auf "große Entwicklungssprünge" in einer nicht näher spezifizierten Zukunft. Erinnert sei an die Euphorie über angeblichen "Bio"-Sprit und an die enthusiastischen Ankündigungen des Brennstoffzellen-Fahrzeugs.

Zum zweiten Punkt: Anzunehmen, dass Elektroautos die Eckpfeiler zukünftiger Mobilität sind, wäre ein Missverständnis. Aber leider ein gewolltes. Konventionelle individuelle Mobilität ist angesichts eines langsam, aber stetig steigenden Ölpreises für immer mehr Menschen unbezahlbar, aber zugleich propagieren die Verfechter des Elektroautos allen Ernstes eine Form der Mobilität, die vorn vornherein für viele erst recht unerschwinglich ist. Selbst unter Annahme der allergünstigsten und keineswegs als sicher geltenden Verbrauchsentwicklung muss ein Kunde in zehn Jahren für ein Elektroauto der Golf- Klasse um die 20.000 Euro mehr hinblättern als für die konventionelle Variante desselben Modells.

Dafür bekommt der Käufer aber gerade einmal ein Viertel der Reichweite, und wegen langer Aufladezeit steht der Wagen nur zeitweise zur Verfügung. Und ob der abgeschlossene Vertrag mit dem Kraftstoff-Lieferant dann auch zum "Tanken" in anderen Städten und bei anderen Versorgern gilt, ist ungewiss. Es bedarf keiner besonderen Fantasie, sich die Erfolglosigkeit dieses Geschäftsmodells auszumalen.