Wer hat's erfunden? Die Schweizer? Nein: die Franzosen. Pierre Michaux und Louis-Guillaume Perreaux lassen 1868 das erste Zweirad patentieren, das keine Muskelkraft braucht. Aber das gilt nicht: Ihr "Motor"-Rad fährt mit einer Dampfmaschine – der zischende Kessel direkt unterm Sattel setzt sich nie so recht durch.

Oder die Bayern? Die Brüder Heinrich und Wilhelm Hildebrand sowie Alois Wolfmüller prägen, soweit schriftlich dokumentiert, das Wort "Motorrad", als sie ihr benzinmotorgetriebenes Einspurfahrzeug 1894 patentieren lassen.

Oder doch die Schwaben? Das erste zweirädrige Fahrzeug mit Verbrennungsmotor bauen Wilhelm Maybach und Gottlieb Daimler. In ihrem "Reitwagen", den sie am 29. August 1885 zum Patent anmelden, brummt schon derselbe Motor wie ein Jahr später in Daimlers erstem Auto. Die Viertakt-Einzylinder-Maschine mit der Reichspatent-Nummer 43926, wegen ihrer Form auch Standuhr-Motor genannt, ist der eigentliche Meilenstein der Technikgeschichte, der Grundstein für das motorisierte Zeitalter.

Daimler hat von 1865 bis 1867 die Maschinenfabrik eines Reutlinger Waisenhauses geleitet und ist dort auf Maybach getroffen, der beide Eltern verloren hat und hier zum Technischen Zeichner und Konstrukteur ausgebildet wird. Maybach wird Daimlers Assistent und folgt ihm 1873 auch zur Gasmotorenfabrik Deutz nach Köln. Als technischer Direktor und Leiter des Konstruktionsbüros arbeiten Daimler und Maybach mit an der Weiterentwicklung des viertaktigen Verbrennungsmotors mit Fremdzündung, den Deutz-Mitgründer Nicolaus Otto erfunden hat.

1882 verlassen beide nach einem Streit mit Otto die Firma, für ihre Mitarbeit an den Deutz-Patenten bekommen sie eine Abfindung. Daimler hat genug gespart, um sich selbstständig zu machen. Für 75.000 Goldmark kauft er in Cannstatt bei Stuttgart eine Villa, in unmittelbarer Nähe zu den Kuranlagen, wo er sich wegen seiner Herzschwäche regelmäßig behandeln lässt. Zur Villa gehört ein großer Garten und vor allem ein geräumiges Gewächshaus – das Daimler um einen Anbau erweitert: seine Versuchswerkstatt.

Einen schnell laufenden Verbrennungsmotor wollen Daimler und Maybach bauen, der leicht, kompakt und für den Fahrzeugantrieb einsetzbar ist. Das bis dahin als Treibstoff verwendete Gas ersetzen die beiden durch eine Flüssigkeit, die in Apotheken als Fleckentferner verkauft wird: Benzin. Sie entwickeln einen Vergaser, der es zerstäubt und in den Zylinder spritzt.