Die Manager des japanischen Autoherstellers Toyota können aufatmen: Nicht technische Unzulänglichkeiten waren Auslöser für viele der Unfälle in den Vereinigten Staaten, sondern Fehler der Fahrer. Eine vorläufige Regierungsstudie hat Unfallschreiber ausgewertet und dabei festgestellt, dass bei mindestens 35 Unfällen die Fahrer überhaupt nicht auf die Bremse getreten hatten; in anderen Fällen bremsten sie nur halbherzig oder in letzter Sekunde. Dies sei das Ergebnis der Inspektion von 58 Datenschreibern, die aus Autos stammten, die ohne Absicht der Fahrer plötzlich schneller gefahren sein sollen, teilte das US-Verkehrsministerium mit.

Abgesehen von den bereits bekannten Problemen, nämlich klemmenden Gaspedalen und rutschenden Fußmatten, seien in der noch laufenden Untersuchung der US-Regierung bislang keine neuen Sicherheitsdefekte ausgemacht worden, sagte eine Ministeriumssprecherin. Probleme mit der elektronischen Geschwindigkeitsregelung wurden seit dem Jahr 2000 in Beschwerden genannt, die im Zusammenhang mit 52 Toyota-Unfällen erhoben wurden, bei denen nach Regierungsangaben insgesamt 62 Menschen ums Leben kamen. Toyota hat erklärt, seine elektronischen Systeme seien völlig in Ordnung.

Die Studie stärkt Toyota den Rücken – zum einen bei den anstehenden Gerichtsverhandlungen über Schadenersatz für die Unfallopfer und Hinterbliebenen. Zum anderen gegenüber der Politik. Insbesondere US-Verkehrsminister Ray LaHood hatte Toyota mehrfach unterstellt, der Konzern verheimliche den wahren Grund für das ungewollte Beschleunigen. LaHood hatte die komplexe Elektronik der modernen Wagen im Verdacht.

Die National Academy of Sciences und die Raumfahrtbehörde Nasa untersuchen im Auftrag von LaHood, ob etwa elektromagnetische Felder die Elektronik beeinflusst haben können. Die Experten selbst wollten aus den Zwischenergebnissen noch keine Schlüsse ziehen. Die Untersuchung wird noch einige Monate weiterlaufen.

Toyota hatte weltweit mehr als 8 Millionen Wagen wegen klemmender Gaspedale und rutschender Fußmatten zurückgerufen. Das Unternehmen ramponierte sein Image, die Verkäufe brachen ein, der Schaden geht in die Milliarden. Toyota musste überdies eine Strafe in den USA zahlen, weil der Hersteller die Probleme mit den klemmenden Gaspedalen nicht rechtzeitig gemeldet hatte. Die Untersuchungen über die Ursachen der Pannenserie gehen weiter.

Toyota repariert derzeit sein Image. Dazu nimmt der Konzern viel Geld in die Hand und stellt unter anderem neue Ingenieure für die Qualitätssicherung ein. Jedes noch so kleine Problem wird öffentlich gemacht, die Zahl der Rückrufe stieg in den vergangenen Monaten merklich an. Die ganze Branche reagiert seit dem Toyota-Debakel sehr sensibel auf technische Patzer.