In den USA läuft das Geschäft mit dem Smart Fortwo seit Monaten lausig. Der grandiose Start im Jahre 2008 mit mehr als 24.000 verkauften Fahrzeugen ist längst Geschichte. Nachdem die Gallone (3,8 Liter) Benzin in den USA wieder kaum mehr als 2,50 Dollar kostet, zieht es die Amerikaner wieder zu großen Autos mit viel PS. Im vergangenen Jahr sank die Zahl der in den USA abgesetzten Smarts auf unter 15.000, und von den für 2010 erwarteten 10.000 ist Smart USA weit entfernt: In den ersten neun Monaten wurden gerade einmal 4779 Kleinwagen abgesetzt, 61,5 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.

Jetzt zieht Smart USA die Reißleine – schließlich kommt der neue Viersitzer erst 2013/2014 und damit einfach zu spät. Darum bekommen die USA als Turboentwicklung einen eigenen Smart Forfour mit fünf Türen und fünf Sitzplätzen. Der neue US-Smart ist ein Nissan Micra mit neuer Front und kaum verändertem Heck. Der Wagen wird in Mexiko produziert und soll im Herbst 2011 auf den US-Markt kommen.

Zu dieser Lösung gedrängt wurde Smart USA von Generalimporteur Roger Penske, einem der größten Autohändler in den USA. Er handelte offenbar mit seinem alten Freund Dieter Zetsche – Konzernchef der Smart-Mutter Daimler – aus, dass die amerikanische Sparte mit Duldung aus Stuttgart fremdgehen darf. Penske ist ein alter Hase im Geschäft; Image und Strategien interessieren ihn wenig. Es geht allein um cash, und da sah es bei den US-Händlern in den letzten 18 Monaten schlecht aus. Die Smart-Händler protestierten und stießen bei Penske, der kaum Geld in Marketing oder Werbekampagnen steckt, auf offene Ohren.

Doch in Europa und speziell in Deutschland wird das eilig zusammengeschusterte Projekt mit viel Argwohn betrachtet. Hier hatten die Smart-Verantwortlichen nach der Pleite mit dem ersten Smart Forfour, der einst zusammen mit Mitsubishi entwickelt wurde, immer wieder bekräftigt, dass alle zukünftigen Modelle ureigene Smart-Komponenten wie Tridion-Sicherheitszelle und Heckmotor in sich tragen sollten. Der alte Smart Forfour, der von Mitsubishi als Colt verkauft wurde, war von den meisten nur als bunter Kleinwagen ohne Smart-DNA zu einem überhöhten Preis angesehen worden.

Erst im Frühjahr 2010 war nach langem Ringen die weitreichende Kooperation zwischen Smart und Renault-Nissan unter Dach und Fach gebracht worden. Damals hatte Daimler-Vertriebsvorstand Joachim Schmidt bekräftigt: "Wir werden die Einzigartigkeit des Smarts bewahren." Das sollte auch für einen Viersitzer und einen etwaigen SUV gelten, die in Planung sind. Doch scheinbar hat Smart über Nacht alle Vorgaben über Bord geworfen. Darin stößt ein Micra als neuer Smart Forfour in den USA vielen Daimler-Verantwortlichen übel auf: Markenpositionierung, Tridion-Sicherheitszelle und der Smart als Kernmodul eines Mobilitätskonzepts sind bis zur Unkenntlichkeit verwässert.

Doch anscheinend will Daimler Penske als seinen US-Großhändler nicht vergrämen, sonst würde man sich wohl kaum von einem einzelnen Markt derart auf der Nase herumtanzen lassen. So bekommt Smart USA seinen Fünftürer nun nicht erst in drei bis vier Jahren, wenn die neue Modellreihe auf den Markt kommt, sondern bereits im Herbst 2011. Da scheint ein kleiner Nissan-Geländewagen mit Smart-Logo nur noch eine Frage der Zeit. Interessenten wären da.