Die immer wiederkehrende Frage nach dem großen Bluff oder dem großen Durchbruch ärgert Mirko Hannemann. "Wir schreiben eine glatte Eins und die anderen eine Drei – und dann sollen wir uns rechtfertigen, als ob wir geschummelt hätten?", fragt der 27-Jährige. Dabei sitzt er am Steuer seines "Lekker-Mobils", eines zum Stromer umgebauten Audi A2, und rollt zügig Richtung Potsdamer Platz in Berlin Mitte.

Fast 3000 Kilometer ist er mit dem Elektroauto in den zurückliegenden Wochen gefahren. Die meisten Trips gingen durch Berlin, einige in die Mark Brandenburg und nach Thüringen, in seine Heimatstadt Erfurt. Mit der längsten Tour aber sorgte der technische Geschäftsführer des Startups DBM Energy aus Berlin-Mariendorf für Schlagzeilen. Eine einzige Akkuladung reichte, um mit dem Elektro-Audi am 26. Oktober 600 Kilometer von München zurück nach Berlin zu düsen, bei Gegenwind und Temperaturen um den Gefrierpunkt.

Applaus für die Rekordfahrt gab es von Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle. Die Vertreter der deutschen Autoindustrie hingegen reagierten verschnupft. Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Autoindustrie (VDA), weigerte sich, das Ereignis überhaupt zur Kenntnis zu nehmen. Und einem ranghohen Bosch-Manager genügte ein Blick auf das Datenblatt, um festzustellen, dass die von Hannemann in Eigenregie und mit Eigenkapital entwickelte und mithilfe von 3M produzierte Lithium-Metall-Polymer (LMP)-Batterie "nicht zu gebrauchen" sei. 

Gregor Falk, Logistikchef beim Partygeschirrhersteller Papstar, weiß es besser: "Das Ding ist eine Sensation". Seit dem 8. September fährt in seinem Betrieb in Kall in der Eifel ein schwerer Schubmaststapler, bei dem der übliche schwere Bleiakku durch die Superbatterie von DBM ("Die Basis von morgen") ersetzt wurde. Die Batterie ist mit 100 Kilogramm nicht nur deutlich leichter und kleiner als der konventionelle Energiespeicher, sondern hat mit 560 Amperestunden auch ein deutlich höheres Speichervermögen.

Ergebnis: Statt wie früher nach zwölf Betriebsstunden muss der Gabelstapler nun erst nach 26 Stunden an die Ladestation. Und das auch nur für zwei statt früher für acht Stunden. Einziger Schönheitsfehler: Der Akku aus Berlin kostet etwa viermal so viel wie der alte Bleispeicher. Dennoch will Falk nun auch die übrigen Gabelstapler auf die DBM-Akkus umrüsten: "Die Mehrkosten holen wir über den 70 Prozent geringeren Energieeinsatz wieder herein."

Derartige Erfolgsgeschichten machen Hannemann und seinen Mitstreitern Mut, für den Wunderakku noch andere Einsatzfelder zu suchen. Zusammen mit Solon, dem Berliner Photovoltaik-Hersteller, arbeitet er an einem Schuhkarton großen Akku mit einem Speichervermögen von bis zu fünf Kilowattstunden, der im Keller eines Hauses die auf dem Dach eingefangene Sonnekraft puffern soll. Solon-Technikvorstand Lars Podlowski will den Stationärspeicher in zwei bis drei Jahren serienreif haben.