Die Hersteller von Biokraftstoffen sehen keinen Grund für Preisaufschläge auf den neuen Kraftstoff E10. Erhöhungen bei dem neuen Kraftstoff mit zehnprozentigem Bioethanol-Anteil seien sachlich nicht gerechtfertigt, sagte der Geschäftsführer des Verbandes der Deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB), Elmar Baumann. Er widersprach damit einem Sprecher des Mineralölkonzerns BP, der zuvor behauptet hatte, das neue Gemisch werde für den Autofahrer "auf jeden Fall teurer".

Baumann hat indes kein Verständnis für höhere Preise. "Da Benzin bereits jetzt E5 enthält, also bis zu fünf Prozent Ethanol, ist die Steigerung auf zehn Prozent gering und kann keine höheren Preise begründen", sagte Baumann. Neue technische Anlagen müssten auch nicht angeschafft werden, da die Vorrichtungen zur Beimischung wegen E5 schon vorhanden seien. "Natürlich können die fünf großen Mineralölkonzerne die Preise für E10 anheben, dann aber nur, um höhere Gewinne einzufahren", so der VDB-Geschäftsführer. Der Mineralölverband möchte zu möglichen Preiserhöhungen keine Angaben machen, um sich nicht dem Vorwurf von Absprachen auszusetzen.

Bio-Ethanol ist herkömmlichem Benzin jetzt schon verpflichtend zu fünf Prozent beigemischt, in Zukunft sollen es zehn Prozent sein. Mit diesem Beschluss setzt Deutschland eine EU-Richtlinie um. Wegen der kalten Witterung kommt der neue Biosprit flächendeckend aber erst im Lauf der nächsten Wochen an alle rund 14.000 Zapfsäulen in Deutschland.

Rund vier Millionen Fahrzeuge dürften nach Angaben des Bundesumweltministeriums den Kraftstoff allerdings nicht vertragen, weil er Bauteile angreift. Autofahrer sollten sich deshalb vorher beim Hersteller erkundigen, ob sie den neuen Kraftstoff tanken können. Die Tankstellen müssen auch weiterhin Treibstoff mit einem Ethanolanteil von fünf Prozent anbieten.

Sicher ist jedenfalls: Teurer wird es für den Fahrer allein schon wegen des höheren Verbrauchs werden. Im Vergleich zum alten Kraftstoff steigt der Verbrauch im Schnitt um drei Prozent, weil Ethanol einen geringeren Energiegehalt hat. Möglicherweise müssen aber auch Fahrer, deren Auto das neue Gemisch nicht verträgt, mit Mehrausgaben rechnen: Aus der Mineralölwirtschaft gibt es Signale, dass das "alte" Superbenzin teurer wird.

Der neue Kraftstoff soll einen Beitrag zum Klimaschutz leisten, ist aber sehr umstritten . Kritiker sehen in der Herstellung von Biokraftstoff eine Konkurrenz für die Nahrungsmittelproduktion. Dies weist der Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie zurück: Nach einer aktuellen Berechnung der Weltbank würden nur 1,5 Prozent der Ackerflächen weltweit für die Herstellung von Biokraftstoffen genutzt. In Europa würden nur zwei Prozent der Getreideernte für Ethanol eingesetzt.