Weltstädte wie Tokyo, Shanghai, Peking oder Mexico City platzen teilweise schon jetzt aus allen Nähten, werden in den nächsten Jahrzehnten aber noch viel größer werden. Der Trend wird auch europäische Metropolen wie London, Paris, Berlin oder Madrid treffen. Für Verkehrsplaner wirft das neue Probleme auf. Der Nahverkehr muss in Dimensionen ausgebaut werden, die bislang kaum absehbar waren. Doch die urbane Bevölkerung von morgen und übermorgen wird sich mitnichten allein für U- und S-Bahnen, Busse und Peoplemover erwärmen. Millionen von Menschen werden auch in Megacitys und Ballungsräumen nicht auf einen eigenen fahrbaren Untersatz verzichten wollen.

Für die Großstadtmenschen der Zukunft sind seit Längerem die sogenannten Megacity Vehicles (MCV) im Gespräch. Ist die Fahrzeugkategorie den Japanern mit ihren ebenso kleinen wie steuerbegünstigten Kei-Cars nicht wirklich fremd, so betreten insbesondere die deutschen Premium-Hersteller bei den MCV automobiles Neuland. Auf der Suche nach dem Königsweg müssen die Unternehmen Entwicklungen, Machbarkeitsstudien, Analysen und Kundenprofile möglichst zeitnah und gleichzeitig umsetzen.

BMW trommelt von den deutschen Herstellern am lautesten und hat sein MCV für 2013 angekündigt . Wahlweise wird der Cityflitzer über Diesel-, Elektro- oder Benzinantrieb verfügen und rund vier Meter lang sein. Ebenso visionär wie aufwendig sind die Konstruktion der Karosserie aus hochfester Kohlefaser und der Antrieb im Heck. Das Fahrzeug selbst besteht aus einem Drive - und einem Life -Modul. In der Drive -Plattform aus einem Aluminiumrahmen sitzen Antrieb, Fahrwerk, Achsen und der flach verbaute Akku, der eine Reichweite von mindestens 160 Kilometern ermöglichen soll.

Das Life -Modul wird mit auf die Drive -Plattform verschraubt und besteht aus einem ebenso festen wie leichten CFK-Käfig. "Der kohlenstofffaserverstärkte Kunststoff ist 30 Prozent leichter als Aluminium und 50 Prozent leichter als Stahl", erläutert BMW-Entwickler Jochen Töpker. "Wir werden die ersten sein, die das in Großserie produzieren werden."

Die Gewichtsersparnis durch die Verwendung von Kohlefasern und Aluminium für das Chassis hält sich jedoch im Rahmen. "Insgesamt sparen wir 100 Kilogramm und gleichen so das Mehrgewicht des Elektroantriebs aus", sagt Töpker. In dieser Größenordnung specken andere Herstellern ihre neuen Modelle jedoch ohne die Verwendung eines aufwendigen CFK-Moduls ab. Das Serienmodell des BMW MCV dürfte zwischen 1,1 und 1,2 Tonnen wiegen. Das sind zumindest 350 Kilogramm weniger als der aktuelle Erprobungsträger des Mini E, der in einer Kleinserie weltweit läuft.

Mercedes hat schon seit mehr als zehn Jahren ein Megacity Vehicle im Programm, den Smart Fortwo . Doch stark schwankende Verkaufszahlen, schwere Fehler bei der Entwicklung und hohe Produktionskosten machten den Flitzer für die Stuttgarter bisher eher zu einem Geldgrab. Die Zeit scheint indes für das Projekt zu laufen. Derzeit entwickelt Daimler zusammen mit Renault-Nissan eine gemeinsame Nachfolgegeneration, die dann als Zwei- und Viertürer erhältlich sein wird. Auch hier hat der Kunde die Wahl zwischen Elektro-, Diesel- oder Benzinantrieb.

Doch beim Smart allein soll es nicht bleiben. Insbesondere im Daimler-Designcenter im japanischen Yokohama wird mit Hochdruck an neuen Fahrzeugkonzepten für die Zukunft gearbeitet. Designer haben ihre Zeichnungen mit visionären Fahrzeugstudien an die großen Präsentationswände gehängt. Den Gedankenspielen sind kaum Grenzen gesetzt. Hier wird ein Modell zur lässigen Citylounge; dort hat der Fahrer die Wahl, ob er selbst ins Steuer greifen möchte oder der Zweisitzer allein seinen Weg vom Büro nach Hause findet. Wechselnde Innenraumfarben sorgen für Entspannung. Dass das MCV von übermorgen eine automobile Hightech-Kommunikationsplattform sein wird, steht außer Frage.