Volkswagen und die Oberklasse – das ist im Gegensatz zu Golf, Polo oder Passat keine Erfolgsgeschichte. Der Phaeton mag noch so viel Luxus für sein Geld bieten, in Sachen Image und Verkaufszahlen kann er Audi, BMW und Mercedes nicht das Wasser reichen. Schon Anfang der achtziger Jahre versuchte VW mit der Limousine Santana, sich in der Oberklasse oder zumindest ein paar Stufen über dem Brot-und-Butter-Auto Passat zu positionieren.

Neben dem Stufenheck hob sich der Santana durch einen eigenen Grill mit großen Rechteck-Scheinwerfern, weiße Blinkergläser, ein bisschen Chromschmuck und ein hübscheres Interieur vom Passat ab. Dennoch war der Wagen so aufregend wie ein Spiele-Abend im Altersheim. Entsprechend mau blieben die Verkaufszahlen, auch weil es für VW-Kunden mit Aufsteigerambitionen schon die Marke Audi gab.

1985 machte VW aus dem Santana einfach die Stufenheckversion des Passat, machte Schluss mit der eigenständigen Frontgestaltung und hakte das Modell unter der Kategorie "Kauft keiner" ab. Doch in anderen Ecken der Welt feierte die Limousine einen Siegeszug. In Brasilien lief der Santana von 1984 bis 2006 vom Band und etablierte sich als erfolgreichstes Auto der gehobenen Mittelklasse. Auch in den USA, in Afrika und Asien wurde der Santana in verschiedenen Versionen angeboten und entwickelte sich für VW zu einem echten Weltauto.

Seinen größten Erfolg, und aus heutiger Sicht auch den wichtigsten, feierte der VW Santana in China. Seit den achtziger Jahren rollt die Limousine in der Volksrepublik ohne Unterbrechung vom Band. Erst 1995 gab es ein neu entwickeltes Modell unter dem Namen Santana 2000, neun Jahre später folgte die optisch kaum geänderte Version 3000. Wer in Shanghai oder Peking in ein Taxi steigt, findet sich fast immer im Fond eines Santana wieder.

Darin kann man es sich durchaus behaglich machen: Die Beinfreiheit ist üppig, die Rückbank wird komplett von einem weißen Überzug bedeckt. Dass dabei der Sicherheitsgurt hinter die Lehne geklemmt wird und man sich nicht anschnallen kann, scheint niemanden zu stören. Der Fahrersitz ist durch eine große Kunststoffhaube vom Passagierabteil abgetrennt. Während das Taxi über Shanghais Straßen rumpelt, wird man daran erinnert, dass die Fortschritte in der Fahrwerkstechnologie am Santana offenbar im Eilzugtempo vorbeigerauscht sind – da haben auch Facelifts nichts genützt.