An manchen Tankstellen steht die spezielle Zapfsäule noch abseits in der Ecke. Bei neueren Anlagen hat das Nischendasein dagegen ein Ende: Dort hängt der stutzenartige Rüssel unauffällig eingereiht neben Diesel und Benzin. Allein das Schild "Autogas" oder die synonym gebrauchten Begriffe LPG – die Abkürzung für die englische Bezeichnung Liquefied Petroleum Gas – und Flüssiggas weisen darauf hin, dass hier ein anderer Kraftstoff getankt wird. Nur beim Füllvorgang fallen die Nutzer der bundesweit 6030 Autogassäulen noch auf: Im Regelfall muss mit dem Finger permanent ein Knopf gedrückt werden, sonst wird der Vorgang aus Sicherheitsgründen abgebrochen.

Der Reiz des Autogases geht vom Preis aus, denn es ist bis 2018 steuerbegünstigt. Im vierten Quartal 2010 lag der Durchschnittspreis nach Auskunft des Deutschen Verbands Flüssiggas (DVFG) bei knapp 69 Cent pro Liter. Wer diesen niedrigen Preis mit dem deutlich höheren für Benzin vergleicht und darum eine Umrüstung erwägt, muss dabei allerdings eines bedenken: Flüssiggas hat einen um etwa 25 Prozent geringeren Heizwert, wie Andrea Gärtner vom ADAC Technikzentrum in Landsberg erklärt. Daher müsse "ein Mehrverbrauch von zehn bis 30 Prozent gegenüber dem Benzinbetrieb einberechnet" werden. Nach einer Umfrage des ADAC unter 4000 Autogas-Fahrern aus dem Jahr 2007 stellten 47 Prozent ein Verbrauchsplus zwischen "elf und 20 Prozent" fest.

Für viele Autohalter rechnet sich die Umrüstung trotzdem, am kürzesten ist die Amortisationszeit bei Vielfahrern von großen Autos mit Benzinmotor. Ob sich der Umbau des eigenen Wagens rentiert, lässt sich dabei nicht pauschal beantworten. Jeder muss selbst prüfen, ob sich die Kosten von ungefähr 2000 bis 3000 Euro über die gefahrenen Kilometer wieder amortisieren. Ein Amortisationsrechner hilft dabei.

ADAC-Expertin Gärtner empfiehlt, zuerst ein individuelles und schriftliches Angebot für das jeweilige Auto einzuholen. Dazu gehöre die Bestätigung, dass der Umbau unbedenklich sei. Denn völlig ohne Risiko ist eine Autogasanlage nicht: "Bei manchen Fahrzeugen droht ein Motorschaden, weil die Ventile sich in den Zylinderkopf einarbeiten können", erläutert Gärtner. Seriöse Anbieter hätten aber Listen, welche Maschinen LPG vertragen und welche nicht.

Wer sich für die Umrüstung entscheidet, sollte die Werkstatt nicht nur nach dem Preis auswählen, sondern auch nach der Erfahrung mit dem jeweiligen Fahrzeugtyp, der Qualifizierung und Zertifizierung der Mitarbeiter sowie der Möglichkeit einer Garantie für Arbeitsleistung und Komponenten. Sowohl DVFG als auch ADAC raten außerdem dazu, eine nach ECE R115 genehmigte Anlage zu verbauen. Dann fällt die Einzelabnahme inklusive Abgasgutachten und entsprechender Kosten weg.

 

Ein neuer Akteur am Markt ist die durch Abgasreinigungssysteme bekannt gewordene Firma Twintec. Hier kostet die Umrüstung etwa 2600 Euro. Dazu kommt noch optional die Überarbeitung von Ventilen, Ventilsitzringen sowie Ventilschaftdichtungen. Weitere 900 Euro werden fällig, um das Risiko für gefährdete Motoren auf Null zu bringen.

Alle Gasfahrer profitieren von der vergrößerten Reichweite: Zur ursprünglich möglichen Fahrstrecke mit Benzin addiert sich die Etappe, die man mit einer Füllung Autogas zurücklegen kann. Wegen des Doppeltanks und der Möglichkeit, zwischen zwei Kraftstoffarten zu wählen, werden solche Fahrzeuge auch als Bifuel-Autos bezeichnet. Ein kleiner Wermutstropfen ist der Verlust der Reserveradmulde, wo die Nachrüsttanks meistens eingebaut werden. Im Neuwagenmarkt spielt Autogas bisher nur eine kleine Rolle. Auffällig ist aber, dass asiatische Hersteller bei einer Reihe von Modellen auf Diesel-Antriebe verzichten und stattdessen eine Flüssiggas-Variante anbieten, zuletzt etwa Kia beim angekündigten Nachfolger des Kleinwagens Picanto.

Je nach individueller Kalkulation kann die Umrüstung oder die Anschaffung eines Autogas-Fahrzeugs für den Geldbeutel also sinnvoll sein. Aber gilt das auch für die Umwelt? "Die Literaturdaten lassen den Schluss zu, dass sich die toxischen Abgase grundsätzlich verringern", sagt Eckard Helmers, Professor am Umwelt-Campus Birkenfeld der Fachhochschule Trier. Aus Umweltgründen sei der Kauf oder die Umrüstung zu empfehlen, weil das sauberer als ein Diesel sei. Zudem verbessere sich im Allgemeinen die CO2-Bilanz, fügt der Fachmann hinzu – mit einer Einschränkung: "Ist die Anpassung und Steuerung der LPG-Anlage schlecht, kann ein hoher Mehrverbrauch den CO2-Vorteil gegenüber einem Benziner aufheben."

Chemisch ist Autogas nichts anderes als das Propan-Butan-Gemisch, wie es auch in Campingkochern zum Einsatz kommt. "Eigentlich sollte Flüssiggas einer sinnvolleren Nutzung zugeführt werden als der Verbrennung in einem Auto", meint Gerd Lottsiepen vom ökologisch orientierten Verkehrsclub Deutschland (VCD). "Aber das ist immer noch besser als die bisherige Praxis des Abfackelns in den Raffinerien."