Verwaiste Stände, schummrige Beleuchtung, düstere Mienen: Die Detroit Motor Show war in den vergangenen Jahren kein Ort zum Feiern. Die US-Autoindustrie mit ihrem Dreigestirn General Motors, Ford und Chrysler stand am Abgrund, ohne Regierungsmilliarden wären wohl die Fließbänder endgültig stillgestanden – dann wäre womöglich auch für die Motor Show das Aus gekommen. Inzwischen hat sich die Lage gebessert, nach dem Aufstiegsjahr 2010 ist man in Detroit vorsichtig positiv gestimmt. So hellt sich die trübe Winteratmosphäre auf dem Messegelände im Cobo-Center vom 10. bis 23. Januar ein wenig auf.

Nach einigen harten Jahren geben die Big Three auf der Motor Show wieder den Ton an. Zwar ist mit 11,5 Millionen verkauften Autos 2010 der Stand vor Beginn der Wirtschaftskrise noch lange nicht erreicht, doch zumindest ging es deutlich aufwärts. Der Absatz von GM legte um 21 Prozent zu, Ford verkaufte 19 Prozent mehr Fahrzeuge als im Vorjahr, bei Chrysler lag das Plus bei 17 Prozent.

Wer allerdings geglaubt hatte, die Krise würde die Amerikaner zu einem Volk von Kleinwagenfahrern machen, hat sich geirrt. Auf dem wichtigsten Teilmarkt Kalifornien zum Beispiel blieb der Anteil der sogenannten SUVs, der Geländelimousinen, am Gesamtmarkt unverändert. Ford konnte im ganzen Land von seinem populären Pick-up der F-Serie mehr als eine halbe Million Stück verkaufen, eine Steigerung um 28 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Diesem Markttrend entsprechend präsentiert sich die US-Autobranche auch auf der Detroit Motor Show wieder wuchtig. Die Chrysler-Marke Dodge etwa zeigt sich in generalüberholtem Design: Der Widderkopf am Grill ist zwar verschwunden, die mächtige Chromfront dafür aggressiver denn je. In Detroit sind die Neuauflage des bulligen SUV Durango und der überarbeitete Charger zu sehen, aber auch das sportlich angehauchte Kompaktmodell Avenger.

Überhaupt setzt man bei Chrysler auf neue Größe: Der Fiat-Partner zeigt den neuen 300, der als Lancia auch nach Europa kommen wird, sowie den gelifteten Minivan Voyager. Dazu kommt der Mittelklassewagen Chrysler 200 als Nachfolger des Sebring. Für den kommenden Frühling sollen die Amerikaner außerdem ein neues Cabriolet dabei haben. Wie Gulliver bei den Riesen wird sich daneben die US-Version des Fiat 500 fühlen. Sie wird zu einem für amerikanische Verhältnisse stolzen Preis von umgerechnet rund 11.300 Euro angeboten – damit ist der Fiat kaum billiger als ein VW Jetta oder Toyota Corolla und teurer als ein Ford Fiesta.

Ford präsentiert die Elektroversion des Focus und den Minivan C-Max, der nach Europa nun die USA erobern soll und auch als Hybridvariante erhältlich sein wird. PS-Fans können sich am Ford Mustang Boss 302 erfreuen. Robust geht es auch am Stand von General Motors zu: Den wohl bulligsten Messeauftritt hat die Studie GMC Sierra All Terrain HD Concept. Das fast sechs Meter lange Ungetüm wurde auf die höchstmögliche Geländetauglichkeit hin kreiert. Zudem stellt GM den Buick Regal GS vor, technisch verwandt mit dem Opel Insignia. Große Hoffnungen setzt GM auch in das neue Kompaktmodell Buick Verano, das Gene des Opel Astra in sich trägt.