Eine breitere Produktpalette, immer mehr Modellvarianten und eine zunehmende Auswahl an individuellen Ausstattungsvarianten – so definieren die großen Automobilhersteller das Portfolio, mit dem sie sich der potenziellen Kundschaft in den kommenden Jahren empfehlen wollen. Trendanalysen, die auf Umfragen bei den heute unter 30-Jährigen beruhen, zeigen jedoch, dass sich die Einstellung zum Auto verändern wird: Das Auto wird seine Bedeutung als Statussymbol verlieren, die Kunden von morgen werden statt eines Autos lieber maßgeschneiderte Mobilität einkaufen und Strukturen nutzen, bei denen das Auto nur ein Baustein von vielen ist.

Ganz außen vor lassen die Entscheider in der Automobilindustrie solche Prognosen bei der Zukunftsplanung natürlich nicht. Zaghaft werden hier und dort Vertriebskonzepte gestartet, die das Auto zur temporären Nutzung anbieten. Konsequenter packt Edag das Zukunftsthema an. Der Automobilentwicklungsdienstleister sieht die Trendwende als Chance und stellt der Industrie ein ganzes Ideenbündel vor, in dessen Mittelpunkt erstmals ein Auto steht, das von Anfang an speziell für die temporäre Nutzung durch Sharing-Kunden konzipiert wird. "Wer ein Auto nur stundenweise nutzt, stellt ganz andere Anforderungen an ein Fahrzeug als ein Privatbesitzer", erläutert Johannes Barckmann, Chefdesigner bei Edag.

Auf dem Genfer Autosalon zeigte das Unternehmen aus Fulda mit einem virtuellen Konzeptfahrzeug, wie so ein Fahrzeug aussehen könnte. Das "Light-Car-Sharing" von Edag ist ein Elektrofahrzeug mit einer Reichweite von 100 Kilometern und einem Spitzentempo von 100 km/h, dessen Akku crashsicher im Sandwichboden verpackt ist. Von emotionalisierendem Design ist dabei nicht die Rede – robust, praktisch und anwenderfreundlich soll ein Auto in erster Linie sein, das sich viele Gelegenheitsnutzer miteinander teilen.

Mit einer Höhe von 1,90 Meter ist der Hochdachkombi alles andere als ein windschnittiger Cruiser. Der ungünstige cw-Wert, der den Strömungswiderstand angibt, sei für ein Stadtfahrzeug eine eher zu vernachlässigende Größe, meinen die Konzeptentwickler. Dagegen biete die Kastenform Vorteile, wenn das Teilzeitauto zum Lastenesel werden soll. Maximal kann "Light-Car-Sharing" sechs Personen befördern. Platz finden die auf zwei Dreiersitzreihen in Rücken-an-Rücken-Position. Wird viel Ladevolumen benötigt, lassen sich bis auf den Fahrersessel sämtliche Sitze umklappen. Die vertikal geteilte Heckklappe erleichtert das Beladen, dient aber auch als Ein- und Ausstieg für die Rückbankpassagiere.

Im Inneren präsentiert sich das Sharing-Fahrzeug geradezu spartanisch. Ablageflächen fehlen ebenso wie aufwendige Türverkleidungen. Das Instrumentarium ist aufs Nötigste beschränkt. Neben Gas, Bremse und Lenkrad findet sich lediglich ein Hebel zum Bedienen des Blinkers. Heizung, Scheibenwischer oder Licht werden automatisch über Sensoren gesteuert. Als einziges Anzeigeelement dient ein Display, das Informationen wie Geschwindigkeit, Ladezustand, Reichweite und Navigation zur Verfügung stellt. Zusatzfunktionen wie Entertainment und Internetzugang können auf Wunsch dazugebucht werden oder werden als Anwendung eines mobilen Endgerätes mit ins Fahrzeug gebracht – so zumindest schwebt es den "Entwicklungshelfern" vor.