Wo das Straßennetz überschaubar ist und man im Schnitt weniger Kilometer fährt als in Langstrecken-Ländern wie den USA, könnte der Umstieg aufs Elektroauto schneller kommen als anderswo – zumal wenn keine heimische Autoindustrie der Politik ihre Bedingungen zuflüstert.

Ein solches Beispiel ist Irland. "Bis 2020 will Irland 42 Prozent seines Energiebedarfs mit erneuerbaren Energien decken. Zehn Prozent aller Autos sollen dann elektrisch fahren", sagt Paul Mulvaney. Er leitet auf der grünen Insel das Elektroauto-Programm des Electricity Supply Board (ESB). Noch in diesem Jahr sollen 1500 öffentliche Ladestationen installiert werden, die meisten davon in und um Dublin.

Dazu kommen 2000 Wallboxes für die Ladung in Privathaushalten und ein Netz von Schnellladestationen, die alle 60 Kilometer auf bedeutenden Landesstraßen und Autobahnen errichtet werden. Da deren Zahl im kleinen Irland überschaubar ist, sollen nach jetzigem Stand 30 Stationen ausreichen. Bezahlt wird mit einer Karte direkt an der Ladesäule, die Kosten werden über die Stromrechnung beglichen.

Die Kilometerleistung auf der Insel kommt der begrenzten Reichweite der existierenden Elektroautos entgegen: "Etwa 85 Prozent aller Iren fahren weniger als 50 Kilometer am Tag", sagt Paul Mulvaney. Außerdem lebten rund 80 Prozent der Iren in einem eigenen Haus, so dass das Problem der Heimladung einfach zu lösen sei.

Wie in Frankreich und anderen EU-Ländern gibt es auch bei den krisengeschüttelten Iren finanzielle Anreize, von einem konventionellen Auto mit Verbrennungsmotor auf einen Stromer umzusteigen. 5000 Euro schießt die Regierung in Dublin bei Elektroautos zu, 2500 Euro sind es für den Kauf eines Plug-In-Hybriden. Außerdem sollen Halter von elektrisch betriebenen Autos von der Kfz-Steuer befreit werden.

Auch die Portugiesen fördern Elektromobilität in besonderem Maße. "Unser Land will ein Labor für die Elektroautos der Zukunft werden", hatte Ministerpräsident José Sócrates schon im Juli 2008 angekündigt. Zwar fehlt dazu die passende Industrie, doch die Bedingungen für Stromer-Fahrer sollen ein Vorbild für andere Länder werden. Die Ausgangslage ist aus ökologischer Sicht gut: Bereits jetzt beträgt der Anteil erneuerbarer Energien an Portugals Stromerzeugung mehr als 40 Prozent, bis 2020 soll er auf 60 Prozent steigen.