Der Kleinste von Kia, der Picanto, und sein größerer Bruder Rio haben – komplett überarbeitet – mit ihren Vorgängern nur mehr den Namen gemeinsam. Und das Automobilsegment, in dem sie zu Hause sind. Der Picanto, bislang ein preiswerter aber ziemlich langweiliger Kleinstwagen, ist von den Koreanern kräftig aufgewertet worden, soll aber im gleichen Preissegment bleiben: knapp unter 10.000 Euro.

Ein "qualitativ hochwertiges" Auto sei der neue Picanto geworden, schwärmt Benny Oeyen, der Marketingchef von Kia Europa. Eine modernere und flottere Optik zumindest hat ihm Kias Design-Chef Peter Schreyer in der Tat verpasst. Damit folgt er der Strategie, die Marke von Discount auf Trendsetter zu wandeln. Der Soul war ein erster Schritt dahin, danach der Venga mit seinem Drei-Türen-Konzept sowie jetzt Picanto und Rio.

Der kreuzbrave Picanto von einst macht mit neuen Linien seinem pikanten Namen endlich Ehre. Die Radhäuser sind kräftig ausgestellt, die breiten Türschweller liegen niedrig. Die Optik der Front ist keck und herausfordernd geworden mit ihrem neuen Kühlergrill, dem großen unteren Lufteinlass und den beiden großen, geschwungenen Scheinwerfern mit LED-Tagfahrlicht. Im Profil sorgt eine markante, aufsteigende Schulterlinie für Spannung. Die Rückansicht wird von der großen Heckscheibe dominiert und von den wie ein Bumerang geschwungenen Rückleuchten. Ein Lohn der Linienführung: der recht geringe cW-Wert von 0,31.

Bei all der Modernisierung der Optik haben die Designer sich bemüht, die praktischen Komponenten des Picanto zu bewahren. Mit 3,60 Metern ist der Neue sechs Zentimeter länger als sein Vorgänger, der Radstand wurde um 15 Millimeter vergrößert. Das bringt, zusammen mit einer Überarbeitung diverser Bauteile im Innenraum, mehr Platz für Passagiere und Gepäck. Die Beinfreiheit vorne ist um 36 Millimeter gewachsen, das Gepäckvolumen von 127 auf 200 Liter. Den Picanto gibt es wahlweise mit drei oder fünf Türen.

Auch die Materialien im Innenraum sind deutlich hochwertiger als bisher. Vorbei ist die Zeit des schnöden Hartplastiks. Zur neuen Strategie von Kia gehört, dass es nun deutlich mehr Optionen gibt, den Innenraum individuell zu gestalten – zum Beispiel durch Farben und Stoffe. Außerdem gibt es als Optionen nun schon für den Kleinen eine Frontscheibe mit UV-Filter, Klimaautomatik, elektrisch einklappbare Außenspiegel, eine automatische Lichtregelung, Getränkehalter mit Beleuchtung, Startertaste, Bluetooth, Sitzheizung, Parksensoren, beheizbares Lenkrad, Smart Key und Weiteres mehr. Selbst ein Start-Stopp-System wird auf Wunsch geliefert.

Bislang mussten Picanto-Käufer mit einem einzigen Motor vorlieb nehmen – nun bietet Kia immerhin zwei zur Auswahl. Die stärkere Motorisierung ist ein Vierzylinder mit 1248 Kubikzentimetern Hubraum, einer Leistung von 85 PS und einem maximalen Drehmoment von 121 Nm. Den Dreizylinder mit 998 Kubikzentimetern Hubraum bietet Kia ab Werk als reinen Benziner oder als Bi-Fuel-Motor zum wahlweisen Betrieb mit Benzin oder Flüssiggas an. Der Bi-Fuel hat eine Leistung von 82 PS und ein Drehmoment von 94 Nm, der "Nur-Benziner" liefert 69 PS und ein Drehmoment von 95 Nm.

Reduziert wurde der Schadstoff-Ausstoß: Die CO2-Emission liegt nun zwischen 95 und 105 Gramm pro Kilometer, der offizielle Benzinverbrauch zwischen 4,2 und 4,5 Litern auf 100 Kilometern, mit Start-Stopp-Automatik sind laut Kia 4,1 Liter Verbrauch drin. Zur Basisausstattung gehören ABS mit Bremsassistent und elektronischer Bremskraftverteilung, ESP ist nur gegen Aufpreis zu bekommen. Das ist ärgerlich. Erfreulich ist indes, dass auch für den Picanto die bei Kia übliche Garantiezeit von sieben Jahren gilt. Sie wirkt auch weiter, wenn er als Gebrauchtwagen zwischenzeitlich verkauft wird.