Frage: Wie viele Arbeiter braucht man, um einen Trabi zu bauen? Antwort: Zwei – einer faltet, einer klebt. Kannten Sie schon? Na gut, Trabi-Witze haben ihre beste Zeit hinter sich. Die war in den Jahren 1989 bis 1991, zwischen Mauerfall und Wiedervereinigung, als die Zweitakter sich auf westdeutsche Straßen wagten, als knatterndes und stinkendes Symbol der Freiheit. Doch die Geschichte des Volkswagens (Ost) dauerte kaum länger als die der DDR: Am 30. April 1991 um 14.51 Uhr rollte der letzte Trabant aus dem Sachsenringwerk in Zwickau.

Dabei hatte die Trabi-Produktion so verheißungsvoll angefangen: am 7. Oktober 1957, dem 40. Jahrestag der glorreichen Oktoberrevolution. Was da aus den Montagehallen der ehemaligen Auto-Union-Werke in Zwickau ratterte, war auch revolutionär: Auf einem metallenen Chassis und einem Skelett aus Stahlblech saß eine Kunststoffhülle. Stahlblech war rar und teuer, seit der Westen ein Embargo verhängt hatte. Außerdem hatte der DDR-Ministerrat 1954 per Beschluss Nummer 36/53 verfügt, dass der Kleinwagen mit zwei Haupt- und zwei Fondsitzen nicht mehr als 600 Kilo wiegen, maximal 5,5 Liter Benzin auf 100 Kilometer verbrauchen und höchstens 4000 Mark kosten dürfe. 

Dass der Trabant den Spitznamen "Rennpappe" bekam, ist unfair. Versuche mit Pappe gaben die Konstrukteure bald auf, weil die Karosserie sich im Regen wellte. Um die Gewichts- und Preisvorgaben einzuhalten, verpresste Ingenieur Wolfgang Barthel stattdessen Baumwollabfälle, die das sowjetische Brudervolk günstig lieferte, mit einem Phenolharz zu Duroplast. Trotzdem wog der P50, das erste Modell des Trabant, gut 620 Kilo, verbrauchte laut Prospekt sechs Liter und kostete 7450 Mark – so war das manchmal mit Erlassen der DDR-Führung.

Benannt war der Wagen nach dem Wunder der sowjetischen Raumfahrt: Trabant bedeutet Begleiter, ebenso wie Sputnik. Ein geschwungenes "S" für den VEB Sachsenring Automobilwerke Zwickau zierte den Kühler. Pardon, die Front: Der Zweizylinder-Zweitakter, der mit 18 PS auf 90 Kilometer in der Stunde beschleunigen konnte, hatte Luftkühlung und brauchte keinen Kühlergrill.

Aus dem P50 wurde 1959 der Trabant 500; das Getriebe wurde synchronisiert, der Motor brauchte weniger Schmiermittel im Treibstoffgemisch. 1962 folgte der Trabant 600 mit mehr Hubraum und 23 PS. Die anfangs rundliche Karosserie wurde 1964 beim Trabant 601 durch klarere Linien und jene Heckflossenstummel ersetzt, die dem Trabi bis ans Ende seiner 34-jährigen Geschichte blieben.

Den Trabant gab es auch mit Chromzierleisten und in Mehrfarblackierung, Modell "Sonderwunsch" hieß das dann. Ein gutes Dutzend meist an Krankenhauswände erinnernde Farben von Rosenbeige über Ahorngelb bis Marmorweiß stand zur Wahl. Als Kombi hieß er Trabant Universal, die Nationale Volksarmee fuhr ihn als Trabant-Kübelwagen, und aus der werkseigenen Rallye-Abteilung kamen erfolgreiche Teilnehmer am Rennen in Monte Carlo.