Der Batterie-Entwickler DBM Energy, der im vergangenen Oktober mit einem Elektroauto eine umstrittene Weltrekordfahrt mit nur einer Akkuladung absolviert hatte, sieht alle Zweifel an seiner Technik entkräftet. Die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) habe in einem umfangreichen Test die Sicherheit und Leistungsfähigkeit der sogenannten Kolibri-Akkus bestätigt, teilte das Unternehmen in Berlin mit. Die BAM bestätigte dies auf Nachfrage.

DBM Energy war nach eigenen Angaben Ende Oktober 2010 mit einem auf Elektroantrieb umgerüsteten Audi A2, der die Kolibri-Akkus enthielt, gut 600 Kilometer von München nach Berlin gefahren, ohne zwischendurch die Batterie aufladen zu müssen. Erhältliche Elektroautos mit Lithium-Ionen-Akkus erreichen derzeit allerdings im Fahrbetrieb nur Reichweiten von 80 bis 150 Kilometer.

Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP), dessen Ministerium DBM Energy mit 275.000 Euro förderte, feierte die Weltrekordfahrt danach als "Durchbruch bei der Elektromobilität". Der 28-jährige DBM-Chef Mirko Hannemann gab Dutzende Interviews, und sein Unternehmen sowie dessen Partner lekker Energie kündigten an, rasch an der Serienreife der Batterie zu arbeiten.

Doch dann kamen in der Branche Zweifel auf, ob bei der Fahrt alles mit rechten Dingen zugegangen sei. Kritiker monierten, die Technologie der Lithium-Polymer-Batterie sei nicht sicher. Und im Dezember brannte das Weltrekordauto in einer Berliner Lagerhalle ab.

Waren die Akkus also wirklich nicht sicher? Das Wirtschaftsministerium verlangte eine eingehende Prüfung, auch wenn es sich laut DBM Energy um Brandstiftung handeln sollte und die Erfolgs-Akkus zum Zeitpunkt des Feuers auch nicht Fahrzeug gewesen sein sollen.

Also untersuchte die BAM die Kolibri-Akkus und testete, wie diese bei extremen Klima- und Luftdruckschwankungen, elektrischen Kurzschlüssen, Überladung oder Falschpolung sowie bei starken mechanischen Einflüssen wie Stößen und Aufprall reagierten. Die Zellen bestanden die Prüfungen, so die BAM.

Um Zweifel an der Reichweite von mehr als 600 Kilometern auszuräumen, testete die Dekra Mitte März zudem die Akkus auf ihre Leistungsfähigkeit und Ausdauer. Die Kapazität der getesteten Batterie war mit rund 63 kWh niedriger als die Kapazität der laut DBM Energy beim Weltrekord eingesetzten Akkus mit 99 kWh. Mit der geringeren Leistung schaffte das Elektrofahrzeug auf dem Dekra-Prüfstand eine Reichweite von knapp 455 Kilometern.

DBM will die Alltagstauglichkeit nun weiter erproben und ist dabei offen für Gespräche mit Partnern, "wenn sie fair verlaufen und auf Augenhöhe", wie DBM-Chef Hannemann betonte. In der kommenden Woche wird das Unternehmen die Batterie und das Versuchsfahrzeug zudem auf der Hannover Messe präsentieren. DBM Energy wurde erst 2009 gegründet, nach Firmenangaben werden die entwickelten Batterien erfolgreich etwa bei Gabelstaplern in der Industrie eingesetzt.

Die Bundesregierung strebt bis 2020 eine Million Elektroautos auf deutschen Straßen an – ein Handicap bei der Entwicklung ist bisher die Akku-Reichweite, die nicht für lange Fahrten taugt. Zudem dauert das Laden an einer normalen Haushaltssteckdose mehrere Stunden.