Auf der Klassiker-Auktion Villa d’Este im italienischen Cernobbio werden Ende Mai sechs Unikate aus der Konkursmasse des Bertone-Museums versteigert. "Diese Autos repräsentieren einen Großteil von Bertones kreativem Schaffen", sagt Max Girardo, Europa-Chef des Auktionshauses FM Auctions. Die Witwe des legendären Autodesigners Nuccio Bertone hat bereits den Rest der insgesamt 90 Fahrzeuge umfassenden Sammlung gekauft und versucht, die Versteigerung der letzten sechs zu verhindern. Bislang ohne Erfolg.

Zur Versteigerung steht beispielsweise der Lancia Stratos HF Zero von 1970. Noch heute sieht der ultraflache Keil aus, als habe man ihn direkt aus der Zukunft zu uns gebeamt. "Wir wollten eigentlich nur wissen, wie niedrig man ein Auto bauen kann", sagte damals ein Mitglied des Bertone-Designteams in einem Interview. Der Prototyp ist fahrbereit und mit einem 115 PS starken V4-Motor ausgerüstet. Der Schätzpreis liegt bei 1,8 Millionen Euro.

Ein weiterer Bertone-Meilenstein ist der Lamborghini Marzal. Autonarr Fürst Rainier von Monaco präsentierte den Wagen in seinem Fürstentum 1967 beim Start des Grand Prix. Den 175 PS starken Sechszylindermotor borgte sich Bertone vom Lamborghini Miura dessen V-12-Maschine wurde quasi halbiert. Der weit nach hinten versetzte Motor schafft im Marzal Platz für vier Passagiere, die sich hinter den vollverglasten Flügeltüren wie Fische im Aquarium vorkommen müssen. Ferruccio Lamborghini war von dieser Lösung allerdings nicht begeistert: "Da können ja alle auf die Beine der Frauen schauen", soll der Sportwagenbauer gesagt haben.

Noch offener ist man im Lamborghini Athon von 1980 unterwegs, einer kantigen Roadster-Studie mit futuristischem Cockpit. Ein klassischer Bertone ist auch der Lamborghini Bravo von 1974, in dem man die Formen des Countach erkennen kann. Der rundliche Chevrolet Testudo von 1963 tanzt ein wenig aus der Reihe und erinnert ein wenig an den Jaguar E-Type. Er sticht durch seine riesige Frontscheibe samt gläsernem Dach hervor.

Neben den Bertone-Designerautos werden noch erheblich teurere Raritäten in Cernobbio versteigert. Ein Bugatti Typ 57 SC Atalante Coupé aus dem Jahr 1937 bringt es auf einen Schätzpreis von 3,2 bis 4,2 Millionen Euro. Das 200 PS starke Achtzylinder-Coupé mit Kompressoraufladung wurde komplett restauriert. Ein extravagantes Talbot-Coupé von 1938, das ähnliche Proportionen wie der Bugatti aufweist, aber noch extremere Rundungen bei Passagierkabine und Kotflügeln präsentiert, soll auf der Auktion mindestens 3,1 Millionen Euro einbringen.

Rar und teuer ist auch der Ford GT 40 Works, ein Prototyp aus dem Jahr 1965. Der Verwandte des legendären Le-Mans-Siegers Ford GT 40 ist einer von nur fünf bekannten Roadster-Prototypen, denn auf der Rennstrecke kamen Coupés zum Einsatz. Der Roadster wurde im September 2006 entdeckt, als ein Sammler beim Goodwood Festival of Speed ein paar Mechanikern erzählte, er habe da einen alten GT 40 zuhause, den man kaufen könne. Der Wagen mit der Seriennummer GT/111 ruhte auf Matratzen in einer Garage bei London. Die Mechaniker waren zunächst nur mäßig interessiert, erkannten aber schnell die Bedeutung des Fundes. Der Schätzpreis des restaurierten grünen Flitzers, der bereits bei historischen Rennveranstaltungen an den Start ging, liegt bei 2,9 Millionen Euro.