Als sich in den Sechzigerjahren immer mehr Deutsche den Traum vom eigenen Auto erfüllen konnten, galt ein Karmann als etwas Besonderes. Da nahm man als Besserverdiener gern den satten Aufschlag in Kauf: Das Karmann-Ghia Coupé aus Osnabrück kostete rund 3000 D-Mark mehr als eine VW 1500 Limousine.

Vor 50 Jahren begann mit dem "Großen Karmann" eine neue Zeitrechnung für VW, denn 1961 wurde dem Käfer erstmals eine weitere Baureihe zur Seite gestellt. Der Typ 3 (VW 1500/1600) blieb zwar dem Heckmotor-Konzept treu, brachte aber völlig neue Karosserieformen mit Limousine, Kombi (Variant) und Coupé. Letzteres kam von Karmann. Die technische Basis stammte vom VW 1500, optisch aber war Osnabrück Wolfsburg klar überlegen. Ghia-Designer Sergio Sartorelli verlieh dem Karmann ruhige, elegante Formen und guckte bei den Amerikanern ab: Das flache Heck mit den Lüftungsschlitzen und die umlaufende Falz in Hüfthöhe erinnern an den Chevrolet Corvair, das einzige jemals in den USA gebaute Großserienmodell mit Heckmotor. An der Front laufen die Blechfalze des Karmann-Coupés in Augenbrauenform über den Scheinwerfern zusammen.

Die Eleganz setzt sich im Innenraum mit den verchromten Rundinstrumenten fort. Auch die akkurat verlegte Holzfolie am Armaturenbrett kann noch so falsch sein, sie wirkt trotzdem schick. Das Exemplar aus der Osnabrücker VW-Sammlung, ein Karmann-Ghia 1600 L aus dem Jahr 1969, hat sogar ein elektrisches Stahlschiebedach an Bord sowie eine Dreigang-Automatik. Der Wandler-Automat frisst im Vergleich zum Viergang-Handschalter sechs Sekunden Beschleunigungszeit; in 25 Sekunden schafft es der Wagen von null auf 100 Stundenkilometer.

Im Heck brabbelt die Top-Motorisierung mit 1584 Kubikzentimetern Hubraum und 54 PS vor sich hin, während das Basismodell nur 45 PS aufbieten konnte. Der Vierzylinder-Boxer verrichtet seine Arbeit dezent und ruhig. Bei 940 Kilogramm Leergewicht sind immerhin 140 Stundenkilometer drin. Das Coupé ist ein herrlicher Gleiter mit ordentlicher Straßenlage. Das dünne Lenkrad mit dem zierlichen Hupring bietet freien Ausblick auf alle Instrumente. Für eine angenehme Belüftung des großzügig verglasten Cockpits sorgen Ausstellfenster vorne und hinten.

Der 4,28 Meter lange Typ 34 war 14 Zentimeter länger als der bekanntere Karmann-Ghia Typ 14 und wurde von 1961 bis 1969 gebaut. Bei den Verkaufszahlen erreichte das große Coupé jedoch nicht annähernd den Erfolg seines kleinen Bruders. "Vom Typ 14 wurden 362.585 Coupés gebaut und 80.881 Cabrios, beim Typ 34 waren es nur 42.505 Coupés", sagt Karmann-Experte Klaus Ulrich. Er betreut die Osnabrücker Volkswagen-Sammlung, zu der seit der Firmenübernahme auch zahlreiche Karmann-Modelle gehören.

Von der Cabriot-Version des Typ 34 wurden sogar nur zwölf Prototypen gebaut. Karmann hatte zwar noch einen dritten Typ 34 geplant – ein Fließheck-Coupé mit runden Doppelscheinwerfern. Doch der Karmann-Ghia Typ 34 TL von 1965 blieb ein Einzelstück. Dabei hatte er eine moderne große Heckklappe, während sein buckliger Verwandter aus Wolfsburg (Typ 3 Fließheck, ab 1965) nur ein kleines Blechkläppchen über dem Motor hatte. Erst 1973 konnte sich VW mit dem ersten Passat zu einem zeitgemäßen Fließheck durchringen. Der Passat war ohnehin eine Revolution für VW – der Autobauer stieg vom Heckmotor auf Frontantrieb mit Frontmotor um.