ZEIT ONLINE: Herr Kampker, was steckt hinter Streetscooter?

Achim Kampker: 2008 haben wir die Idee für ein Elektroauto an der Universität entwickelt. Uns war klar: Wir wollen Elektromobilität und dazu eine herstellerunabhängige Technologieplattform aufbauen. Somit bieten wir dem Mittelstand eine Qualifikationschance und wollen neue Kooperationsformen ausprobieren. Wir sehen uns als Partner der Automobilindustrie.

ZEIT ONLINE: Aus dem Uni-Konzept entwickelte sich ein eigenes Unternehmen, mittlerweile sind neun Firmen aus der Automobilbranche Gesellschafter der Streetscooter GmbH. Was können Sie besser als die großen Konzerne?

Kampker: Wir ergänzen die Ansätze der bestehenden Autobauer, da wir einfach mehr Freiheitsgrade haben in dem, was wir festlegen und was wir nicht festlegen. Somit sind wir nicht besser als die Großen, sondern testen andere Wege aus, um neue Erkenntnisse zu gewinnen.

Die Autobauer halten sich oftmals an bestimmte Produktstrategien und lehnen sich somit nah an bestehende Strukturen an, um Synergien zu nutzen. Für das reine E-Mobil könnten aber so Potenziale verschenkt werden: Zum Beispiel muss die Batterie in vorhandene Räume – wie zum Beispiel den Kofferraum – angepasst werden. Dies führt zu Ineffizienzen. Wir sind an solche Vorgaben nicht gebunden. Bei uns kommt die Batterie in den Unterboden und frisst so keinen Stauraum.

Die großen Automobilhersteller haben Produktionsstätten, die sie abschreiben müssen und auf die sie dann ihre zu produzierenden Fahrzeuge auslegen. Auf so etwas müssen wir keine Rücksicht nehmen. Klüger als die bestehenden Autobauer sind wir selbstverständlich nicht: Das ganze ist ein Experiment, da kann es passieren, dass wir für bestimmte Produktionsschritte keine guten oder besseren eigenen Lösungen finden. Dann greifen wir auf das zurück, was auf dem Markt verfügbar ist. Wir stehen nicht im Wettbewerb mit den Autoherstellern und wollen dies auch nicht. Wir wollen gemeinsam die E-Mobilität voranbringen.

ZEIT ONLINE: Ihr Auto soll – ohne Batterie – nur 5000 Euro kosten. Wie wollen Sie diesen niedrigen Preis erreichen?

Kampker: Wir setzen viele Standardteile ein und haben dadurch geringere Werkzeug- und Zusatzkosten. Wir reduzieren die Montagestruktur, wo es nur geht – beispielsweise haben wir die Montagestationen, üblicherweise 100, auf circa 20 reduziert. Deshalb glaube ich, dass wir diesen Preis auch wirklich erreichen können. Es gibt ja jetzt schon Kleinwagen, die nicht viel teurer sind.

Die Batterie, die zusätzlich geleast werden muss, wurde speziell für unseren Wagen entwickelt. Unser Partner hat genau untersucht, was die Batterie leisten muss und worauf auch verzichtet werden kann. Auch hier beschränken wir uns auf das Notwendige.