Daimler-Chef Dieter Zetsche hat die Marschrichtung vorgegeben: "Wir müssen das Auto neu erfinden." Das klingt nach einer Mammutaufgabe, aber auch hochtrabend – denn das Auto wird, so wie wir es kennen, auch in den nächsten Jahren eine elementare Rolle im Leben der Menschen spielen, um von A nach B zu gelangen. Doch mit einer schnöden Fahrt allein ist es längst nicht mehr getan. "Verstärkt kommt mit Geräten wie dem Smartphone das Internet ins Auto", sagt Bernd Bohr, beim Zulieferer Bosch verantwortlich für die Sparte Kraftfahrzeugtechnik.

Denn bei der jungen Generation von Autonutzern sind das Mobiltelefon und das mobile Internet mindestens genauso wichtig wie der Wunsch nach Führerschein und Auto selbst. Daher können Autohersteller und Zulieferer kaum mehr einen Bogen um die technische Integration von E-Mail, Facebook oder Google machen. Berührungsempfindliche Bildschirme passen sich zunehmend den animierten Bedienoberflächen der Smartphones an. Schon heute klinken sich in vielen Modellen iPhone, Blackberry oder Android-Handy kabellos über Bluetooth in das automobile Geschehen ein. Es wird nur noch wenig Zeit vergehen, bis alle Neufahrzeuge über einen vielfältig nutzbaren Multifunktionsbildschirm verfügen, der visuell Auto und Handy miteinander verbindet.

Kleine Computerprogramme, die sogenannten Apps, richten sich dabei zunehmend an den mobil interessierten Autofahrer. Auf der Suche nach Tankstellen, Werkstätten oder günstigen Einkaufsmöglichkeiten an der Autobahn schauen immer weniger Leute in Branchenverzeichnisse. Die gewünschte Antwort ist nur ein paar Klicks auf dem eigenen Smartphone entfernt. Selbst vor Blitzanlagen warnen schon manche Apps, auch für eine tagesaktuelle Routenführung gibt es solche Helferlein auf dem internetfähigen Handy. Der nächste Hamburger-Brater, ein freies Parkhaus, die günstigste Zapfsäule in der fremden Stadt – die lokalen Informationen sind schier grenzenlos.

Neue Funktechniken sorgen dabei als Nachfolgegenerationen von UMTS für höhere Übertragungsraten, so dass auch große Datenmengen ins Auto gelangen können. Ein Beispiel: Längst senden Radiosender nicht mehr (nur) über UKW oder KW, sondern kommen als weltweites Webradio zum Empfänger. So kann dann etwa der Lieblingssender aus New York aus einem Mini Cooper dröhnen, der die Münchner Leopoldstraße hinauffährt. Mini Connected macht's möglich. Die App der BMW-Lifestylemarke kann sogar eintrudelnde Facebook- und Twitter-Einträge dem Fahrer vorlesen.

Zulieferer und Autohersteller wollen sich die Technologietrends nicht entgehen lassen. "Wenn man in der Zeitung oder dem Internet von neuen Firmen und ihren Ideen liest, ist es an sich schon zu spät", sagt Stephan Durach, der das BMW-Tech-Office in der Nähe von San Jose im Silicon Valley leitet. "Man muss früher dran sein." Darum zog die BMW-Außenstelle Anfang März von Palo Alto nach Mountain View um. "In der Nachbarschaft befinden sich hier Firmen wie Google, Facebook oder Apple", erläutert Durach. "Man trifft sich morgens zum Kaffeetrinken oder abends zum Mountainbiken. Immer wieder bringt jemand einen anderen mit. So lernt man sich zwischen den Firmen untereinander kennen." Ein großer Teil der Arbeit findet außerhalb von Büro und Konferenzräumen statt.

So versucht BMW ebenso wie die anderen Autohersteller die neuesten Techniktrends zu entdecken und in die eigenen Autos zu bringen. BMW und Mini machten es vor, Audi und Mercedes zogen bei A7, A6, A8 oder CLS und M-Klasse nach und brachten das mobile Internet ins Auto. Die neue M-Klasse bietet wie mehrere andere Modelle mit dem Stern einen Online-Zugang im Navigationssystem Comand. Kunden können entweder frei browsen oder eine Mercedes-Benz-App aufrufen, mit Wetter, Facebook und Googles lokaler Suche. Kleinere Modelle wie Audi A1 oder die Mercedes A-Klasse folgen zeitnah mit mobilem Online-Zugang, und auch die ersten Volumenhersteller haben die Vernetzung von Auto, Smartphone und weltweitem Web für sich entdeckt.