"Na los, Sie können jetzt fahren!", ermuntert mich Jürgen Banken. Wie jetzt? Für eine Sekunde bin ich irritiert. Ich weiß zwar, dass ich gerade den Zündschlüssel gedreht habe – doch ist der Motor angesprungen? Zu hören ist jedenfalls nichts. Also ein leichter Druck aufs Gaspedal. Und tatsächlich: Der Mercedes B-Klasse fängt an, still nach vorn zu rollen. Es sind meine ersten Meter in einem Brennstoffzellen-Auto.

Es ist ungewohnt leise im ansonsten völlig normalen Innenraum mit seinen fünf Sitzplätzen. Der Motor surrt nur leicht, ein Geräusch, das auch bei normaler Stadtgeschwindigkeit von 30 bis 50 km/h kaum lauter wird. So kann mir Jürgen Banken – bei Daimler verantwortlich für die Entwicklung der neuen Technologie – ohne die Stimme heben zu müssen erklären, was uns gerade durch Berlin transportiert: ein Elektromotor, der den Strom aus den sogenannten Stacks im Sandwich-Boden des Fahrzeugs bezieht. In diesen Zellen reagiert Wasserstoff mit Sauerstoff, dabei entsteht Strom. 

Während ich über die Straße des 17. Juni in Berlin fahre, merke ich von all der Technik kaum etwas. Das ist wohl das Erstaunlichste bei dem Brennstoffzellen-Auto: wie überraschend gewöhnlich es sich fahren lässt. Ungewohnt ist für mich allein die Automatik-Fahrweise – ich muss meinen linken Fuß im Zaum halten, damit er nicht aus Versehen auf die Bremse tritt, wenn ihm reflexhaft nach Kuppeln ist. Ansonsten machen mir im Inneren nur manche Anzeigen im Cockpit klar, dass ich nicht in einem Auto mit Verbrennungsmotor unterwegs bin. Die Tankanzeige selbst sieht aus wie im herkömmlichen Auto. Eine Digitalanzeige gibt an, wie viele Kilometer man noch fahren könnte, bis der Wagen wieder Wasserstoff benötigt. Und in der Mittelkonsole versinnbildlicht eine Anzeige, wie gerade der Strom von den Stacks in Richtung E-Motor fließt.

Es sind nur Kleinigkeiten, die aufs elektrische Fahren mit Strom aus Brennstoffzellen hinweisen. "Drücken Sie mal etwas aufs Gas und schauen Sie in den Rückspiegel", sagt Banken. "Dann sehen Sie die Wasserdampf-Wolke, die aus dem Auspuff kommt." Denn das ist das einzige "Abgas", das das Auto in die Umgebung abgibt – Wasser, das bei der Reaktion von Wasserstoff mit Sauerstoff entsteht. Den Wasserstoff beziehen die Brennstoffzellen aus Tanks, die sich hinten unter der Rückbank befinden.

Etwas ungewöhnlich ist auch der Tacho im Display. Er beginnt nicht bei Null, sondern hat gewissermaßen einen Minus-Bereich. In diesen bewegt sich die Nadel, wenn ich aufs Bremspedal gehe. Dann passiert, was Fachleute als Rekuperation bezeichnen: Die Bremsenergie wird rückgewonnen und fließt in die mitgeführte Lithium-Ionen-Batterie. Eine andere Eigenschaft, die Elektromotoren grundsätzlich haben, spüre ich, als eine Ampel von Rot nach Grün wechselt und ich mit ordentlichem Zug anfahre: E-Aggregate stellen vom Start weg ihr maximales Drehmoment bereit. In der B-Klasse sorgt der Elektromotor so für ein recht agiles Fahrgefühl, obwohl der Wagen unter anderem wegen der schweren Tanks mehr Gewicht auf die Waage bringt als ein herkömmliches Auto mit entsprechendem Motor.