In der Steiermark setzt die Tourismusbranche dieses Jahr erstmals auf das E-Bike als zusätzliche Attraktion. Noch sei es etwas, das den Gästen extra angeboten werden müsse, sagt Ernst Kammerer, Geschäftsführer des Tourismusverbands Ausseerland-Salzkammergut, aber er ist sich sicher: "Die Gäste werden künftig von sich aus danach verlangen." Um einen ersten Pflock einzuschlagen, habe man nun für das E-Bike geworben, "in zwei Jahren wäre es sonst zu spät", um sich einen Ruf als E-Bike-Region zu sichern.

Seit Langem schon sind Mountainbike-Pfade ausgewiesen, bislang waren die Wege aber nur für trainierte Radfahrer interessant, jetzt kommt ein Netz von Verleih- und Akkuwechselstationen hinzu, das mit der gleichen Technik arbeitet wie in der Nachbarregion und so vor den Toren Salzburgs über einen Radius von 50 Kilometern Strom sicherstellt, ehe es etwa im Chiemgau an ein konkurrierendes Stromfürstentum stößt. "Nun können auch Genussradler dabei sein", sagt Kammerer, "für die es bislang frustrierend war, in der hügeligen Landschaft zu fahren."

Vor allem bei Paaren vermutet Kammerer Potenzial. Denn selten seien Frau und Mann gleichermaßen fit, Anlass für Krach im Urlaub: Entweder fühle sich der eine gehetzt, oder der andere habe das Gefühl, ständig gebremst zu werden. Was im Flachland vielleicht nicht so ins Gewicht falle, löse auf Strecken mit Höhenunterschied schnell Ehekonflikte aus.

Mit der Miete für das Rad sind auch sämtliche weitere Kosten bezahlt, Komfort ist oberstes Ziel. Gleichzeitig würden sich für Radfahrer neue Optionen bieten, fügt Kammerer hinzu. Die beliebtesten Radwanderwege, zum Beispiel entlang der Donau, könnten mit E-Bikes auch von untrainierten Fahrern stromaufwärts locker bewältigt werden.

Mountainbike-Fahrer jedoch, die auf ihren Touren über Felsbrocken und Baumwurzeln unter sich sein wollen, finden auch künftig ihre Reviere. So wirbt das Grödental in den Südtiroler Dolomiten seit dieser Saison für den Freeride-Trail, der auf 2.140 Höhenmetern seinen Startpunkt hat. Auf der 2,7 Kilometer langen Fahrt, die über 550 Höhenmeter geht, haben die Mountainbiker den Weg exklusiv für sich und können sich ohne Angst vor Kollisionen mit Wanderern die Berge hinabstürzen. Ein Komfortabenteuer, das schon beim Aufstieg beginnt: Dafür steht die Ciampinoi-Seilbahn bereit, die Rad und Fahrer bequem nach oben befördert.

Erschienen in der WirtschaftsWoche