Wenn ein Auto einen Elektro- mit einem Verbrennungsmotor kombiniert, ist das ein Hybrid. Wenn nicht nur der Kraftstofftank an der Zapfsäule gefüllt, sondern auch die Batterie an einer Steckdose – auf Englisch: plug – geladen werden kann, ist das ein Plug-In-Hybrid. Und wenn es dann noch einer der 20 Golf Variant ist, die jetzt in einem Flottenversuch über Berlins Straßen fahren, nennt Volkswagen das twinDRIVE.

Ab 2014 wollen die Wolfsburger zahlreiche Plug-In-Hybridautos in Serie anbieten. Dann werden die Konkurrenten Opel Ampera und Toyota Prius den Markt mindestens schon zwei Jahre bedienen. Allen gemeinsam ist das Ziel, das Beste aus zwei Welten miteinander zu vereinen: das elektrische und lokal emissionsfreie Fahren auf Kurz- und Pendelstrecken mit der Reichweite eines Verbrennungsmotors.

Beim twinDRIVE funktioniert das so: Nach dem Losfahren zieht nur der 65 kW (88 PS) starke Elektromotor den Golf mit einem Drehmoment von 600 Newtonmetern nach vorne. Gegenüber den bisherigen vollelektrischen Golf-Prototypen hat VW die Batteriekapazität im twinDRIVE auf 13,2 Kilowattstunden ungefähr halbiert. Sie soll für 57 Kilometer reichen. Danach erhöht der bekannte 1,4-Liter-TSI-Benzinmotor den Aktionsradius auf insgesamt 900 Kilometer.

Erst seriell, dann parallel

Interessant ist dabei das Zusammenspiel der beiden Motoren. Wenn die Batterie nicht mehr genug Energie hat, treibt der Benziner bis ungefähr 50 km/h einen 30 kW starken Stromgenerator an. Mit höherem Tempo schließt eine Kupplung, sodass Verbrennungs- und Elektromotor direkt und gemeinsam mit bis zu 120 kW (163 PS) auf die Antriebsachse wirken. Für Fachleute: Bei niedriger Geschwindigkeit ist der twinDRIVE ein serieller Hybrid, ab etwa 50 km/h funktioniert er parallel.

Das spart das mehrgängige Getriebe, was die Kosten senkt. Ein einfaches und kluges Konzept, das während der kurzen Fahrt in Berlin durch das ruckfreie Zuschalten und ein leises Laufgeräusch des Benziners überzeugte – ähnlich komfortabel, wie das ein Toyota Prius oder Auris schon heute ist, aber mit einem direkteren Gefühl zwischen Gasfuß und Rad.

Der Leiter der Volkswagen-Konzernforschung, Jürgen Leohold, sieht den Einsatzbereich des twinDRIVE-Konzepts "insbesondere in kleineren Fahrzeugen", also im Golf und auch darunter, während in den höheren Fahrzeugklassen der Parallelhybrid favorisiert wird. Überhaupt prognostiziert Volkswagen den Plug-In-Hybriden eine rosige Zukunft: "Wir rechnen mit einem konzernweiten Marktanteil von drei Prozent Elektroautos in Deutschland für das Jahr 2020", sagt Rudolf Krebs, der Generalbevollmächtigte für elektrische Antriebe. "Unserer Einschätzung nach könnten 70 bis 80 Prozent davon Plug-In-Fahrzeuge sein, weil dieser Antrieb gerade für die Golf-Klasse ideal ist."