Die Seitenlinie steigt dynamisch an, der hantelförmige Kühlergrill strahlt in Kias neuem Markengesicht: Die neue Generation des Rio kommt kräftig und selbstbewusst daher. Die prall geformten Radhäuser komplettieren den properen Auftritt. Der 4,04 Meter lange Kleinwagen aus Südkorea macht ab Spätsommer unter anderem Opel Corsa, Ford Fiesta und Mazda 2 Konkurrenz – und natürlich dem Klassenprimus VW Polo.

Der sieht gegen den Koreaner zum Teil richtig alt aus. Nicht nur bei der Außenoptik. Denn auch innen hält der Rio, was er von außen verspricht. Die Verarbeitung ist sauber, das Cockpit wirkt aufgeräumt und dennoch nicht langweilig, die Instrumente sind sehr gut ablesbar. Statt modischem Klavierlack, der dann doch nur zerkratzt oder fettige Fingerabdrücke anzieht, sind die übersichtlichen Schalter mit ein wenig Chromschmuck versehen. Alles folgt dem Motto: Schick ja, Schnickschnack nein.

Immerhin bietet der Rio reichlich Ablagen, zwei 12-Volt-Steckdosen und einen USB-Anschluss an der Mittelkonsole sowie Becher- und Flaschenhalter. Das Kofferraumvolumen ist mit 288 Litern guter Klassendurchschnitt. Zum Vergleich: Der VW Polo bietet 280 Liter, der Opel Corsa 285 Liter, und im Kofferraum des Hyundai i20 ist Platz für 295 Liter. Die Klimaanlage im Kia Rio verströmt ionisierte Luft und unterbindet damit Gerüche. Gegen Aufpreis gibt es ein Navigationssystem mit großem Bildschirm an der Mittekonsole, kombiniert mit einer Rückfahrkamera.

Die Sitze sind bequem und nicht zu weich. Im Fond haben auch Erwachsene genügend Kopf- und Kniefreiheit. Allerdings finden groß gewachsene Fahrer keine ideale Position hinter dem Lenkrad, weil ein paar Kunststoffverkleidungen den Knien im Weg sind – eines der wenigen deutlichen Mankos des neuen Rio. Ansonsten setzt sich der gute Eindruck fast nahtlos fort, wenn man hinterm Steuer den Wagen gestartet hat und losfährt. Die Lenkung ist leichtgängig, aber nicht gefühllos, die Federung des Wagens ist komfortabel. Auch in schnellen Kurven zeigt sich der Rio passabel, er untersteuert im üblichen Rahmen.

Ein Minuspunkt sind aber die angebotenen Motoren, zwei Vierzylinder-Benziner und zwei Dieselaggregate. Die Benziner bieten entweder 62 kW (85 PS) aus 1,2 Litern Hubraum oder 80 kW (109 PS) aus 1,4 Litern Hubraum, die Selbstzünder leisten als 1,1-Liter-Dreizylinder 55 kW (75 PS) oder als 1,4-Liter-Vierzylinder 66 kW (90 PS). Doch selbst der stärkste Benziner mit 109 PS ist im Vergleich zu den kleinen Turbobenzinern der Konkurrenz eher schwach und braucht hohe Drehzahlen – aber wenigstens ist er leise und laufruhig. Der Normverbrauch liegt bei 5,1 Litern pro 100 Kilometer. Ebenfalls ärgerlich: Die Start-Stopp-Automatik, die bei jedem Halt Treibstoff spart, muss extra bezahlt werden.

Der genügsamste Rio ist der verbrauchsoptimierte Dreizylinder-Diesel, der für 100 Kilometer im Schnitt 3,2 Liter benötigt – 0,1 Liter weniger als der Polo Bluemotion. Mehr Fahrspaß bietet allerdings der 1,4-Liter-Diesel: Er hat von allen Aggregaten den besten Durchzug beim Überholen, läuft unauffällig und ist mit einem gut abgestuften Sechsganggetriebe kombiniert, dessen Hebel präzise durch die Schaltgasse flutscht. Den Durchschnittsverbrauch des großen Dieselmotors gibt Kia mit 4,1 Litern pro 100 Kilometer an, ohne Start-Stopp-Automatik.