Die nächste Rezession kommt bestimmt. Und mit ihr vielleicht wieder staatliche Subventionsprogramme, die den privaten Konsum ankurbeln und die schwächelnde Wirtschaft stützen sollen. Wie groß der Nutzen von Abwrack-Förderprogrammen für Umwelt und Verkehrssicherheit tatsächlich ist, hat ein niederländisches Beratungsunternehmen im Auftrag der Internationalen Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) untersucht. Die Analyse-Experten nahmen sich dabei die Programme Deutschlands, Frankreichs und der USA vor. Außen vor blieben die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt, den Umsatz der Autokonzerne und auf die Branche insgesamt.

In der Krise nach 2008 hatten Berlin, Paris und Washington das Subventionieren von Neuwagenkäufen unterschiedlich angepackt. In Deutschland bekamen Käufer 2.500 Euro "Umweltprämie" vom Staat, wenn sie ein über neun Jahre altes Fahrzeug verschrotten ließen und sich dafür einen Neuwagen zulegten, der allerdings keine Auflagen erfüllen musste. Frankreich spendierte 1.000 Euro, wenn ein mindestens zehn Jahre altes Auto gegen einen Neuwagen eingetauscht wurde. Das neue Auto durfte dabei maximal 160 Gramm CO2 je Kilometer ausstoßen. In den USA gab es das staatliche Geldgeschenk, wenn das stillgelegte Auto bis zu 25 Jahre alt war. Die Höhe der Prämie hing vom Verbrauch der Neuerwerbung ab: Die Höchstsumme von 4.500 Dollar, also gut 3.100 Euro, gab es nur, wenn der Neuwagen mindestens 4,9 Liter Kraftstoff pro 100 Kilometer weniger verbrauchte als das alte Auto.

In Deutschland wurden die meisten Neuwagenkäufe subventioniert: Fast 1,66 Millionen Altautos wurden im Rahmen der Abwrackaktion durch Neuwagen ersetzt. In den USA gab es der OECD-Studie zufolge 677.000, in Frankreich 550.000 prämiengeförderte Neukäufe. Dabei habe das Cars Program in den USA mehr kleinere, leichtere Fahrzeuge auf die Straßen gebracht, schreiben die Autoren. In Frankreich seien fast 1:1 ältere kleine Autos gegen neue Kleinwagen ausgetauscht worden. In Deutschland dagegen seien mehr größere Autos angeschafft worden: Der Studie zufolge trennten sich bis November 2009 rund 32.000 Prämienempfänger von einem Pkw mittlerer Größe und Gewichtsklasse. Zugleich wurden mit staatlichem Zuschuss aber 102.000 Fahrzeuge aus dem Mittelklasse- und Van-Segment gekauft. Eine gestaffelte Prämie wie in den USA hätte hierzulande also noch mehr zum Kauf kleinerer Wagen geführt.

Doch auch das US-Programm überzeugt in Sachen Umweltschutz nicht ganz. Wie die Rechnungen und Prognosen der Analysten aufzeigen, bringt das Cars Program zwar zunächst eine Einsparung von CO2-Emissionen. Doch dieser Vorteil werde durch veränderte Nutzprofile der Neuwagen fast wettgemacht, schreiben die Autoren. Mit den dank Prämie "vorzeitig" verschrotteten Fahrzeugen wären Amerikas Autofahrer in den kommenden Jahren immer weniger gefahren. Mit ihren neuen, effizienteren Autos werden künftig dagegen deutlich mehr Kilometer zurückgelegt, prognostizieren die Analysten. Unter Umweltaspekten hätte das Cars Program also mehr gebracht, wenn in Großstädten und Ballungsgebieten Zeitkarten für öffentliche Transportmittel anstelle von Neuwagenkäufen bezuschusst worden wären.

Dagegen glänzt das französische Abwrackprogramm in Sachen CO2-Reduktion. Für den Zeitraum bis 2025 errechneten die Statistiker eine Vermeidung von 265 Kilotonnen Kohlendioxid. In Deutschland liegt die ermittelte CO2-Reduktion nur bei 200 Kilotonnen – dabei wurden hierzulande mehr als dreimal so viele Altautos aus dem Verkehr gezogen wie in Frankreich. Als Grund geben die Autoren der Studie an, dass die französischen Prämienempfänger sich häufig für einen verbrauchsarmen Diesel entschieden hätten.